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Blick auf die Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts

Ausstellung Blick auf die Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts

Einen Blick auf die Medizin im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wirft die neue Ausstellung im Haus der Romantik. Im Mittelpunkt steht Johann Christian Stark, Leibarzt von Goethe und Schiller.

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Im Haus des Deutschen Ordens war die 1792 gegründete Marburger Accouchieranstalt untergebracht.Foto: Haus der Romantik

Marburg. Als Leibarzt am Weimarer Hof hat Johann Christian Stark (1775 - 1811) die Reichen seiner Zeit behandelt. Er soll Johann Wolfgang von Goethe einmal von einer „Wundrose“ befreit haben, sagt Professorin Marita Metz-Becker. Goethe hatte Glück in einer Zeit, in der der Aderlass nach wie vor das probate Mittel der Mediziner gegen alle möglichen Leiden war.

Doch Stark hat auch andere Menschen behandelt - als Geburtshelfer und Chirurg auch schwangere Frauen. Waren sie wohlhabend und verheiratet, wurde im Haus der Frau entbunden.

Waren die Kinder unehelich, waren die Frauen arme Mägde, wurde in den sogenannten Accouchierhäusern entbunden, die im späten 18. Jahrhundert von Frankreich ausgehend auch in Deutschland etabliert wurden: Jede 10. Frau starb dort wegen katastrophalen hygienischen Bedingungen am Kindbettfieber, erklärt die Kulturwissenschaftlerin Metz-Becker, die über die Geschichte der Gebäranstalten geforscht hat. Zudem seien sie zu wissenschaftlichen Objekten degradiert worden.

Berühmt wurde der Arzt Stark, ein Vertreter der Aufklärung, durch den ersten erfolgreichen Kaiserschnitt, den sowohl Kind und Frau überlebten. Das war keineswegs üblich: Bei komplizierten Geburten wurde entweder das Kind getötet oder die Frau starb - eine schreckliche Zeit.

Wie viele Frauen oder Kinder die Geburt damals nicht überlebten, darüber gibt es keine gesicherten Zahlen.

Die Ausstellung wurde von JenaKultur und dem Stadtmuseum Jena zusammengestellt und für Marburg ergänzt durch Exponate etwa aus dem Museum Anatomicum. Neben Schaustafeln sind Exponate wie Gebärstühle und medizinische Geräte.

Das Haus der Romantik hat zudem ein Rahmenprogramm organisiert - mit dem Film „Die Hebamme“ (24. April), einer Führung mit Marita Metz-Becker zum Thema „Die Geburt der Klinik“ am 4. Mai und einem Vortrag von Professorin Eva Labouvie über die Trierer Entbindungsanstalt am 22. Mai.

Die Ausstellung wird am Freitag, 1. März, um 18 Uhr eröffnet. Zur Einführung spricht Professor Ekkehard Schleußner, Leiter der Universitätsfrauenklinik Jena. Sie ist bis zum 16. Juni im Haus der Romantik am Markt 16 zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

von Uwe Badouin

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