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Bildgewaltiges Bibel-Epos

Neu im Kino: Noah Bildgewaltiges Bibel-Epos

Darren Aronofsky gelingt, woran so viele Regisseure scheitern: Er hat einen Blockbuster mit Anspruch vorgelegt. Unterstützung erfährt er dabei von einem formidablen Russell Crowe, von Jennifer Connelly, Anthony Hopkins und Emma Watson.

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Mitreißend getanzte Gefühle

Die Sintflut hat begonnen: Noah (Russell Crowe) flieht vor Menschen, die mit aller Gewalt die Arche erobern wollen.Foto: Niko Tavernise/Paramount Pictures

Quelle: Paramount

Marburg. Gleich für seinen ersten Langfilm wurde Darren Aronofsky 1998 beim Sundance Film Festival ausgezeichnet: „Pi“, realisiert für nur 60000 Dollar, erzählt in schwarz-weißen Bildern von einem paranoiden Mathematiker. Vier weitere Filme, „The Fountain“ oder „The Wrestler“, folgten. Nie aber hatte der US-Regisseur (45) ein auch nur annähernd so großes Budget zur Verfügung wie dieses Mal: Mit 115 Millionen Dollar im Rücken durfte sich Aronofsky an die Neuerzählung der biblischen Geschichte um Noah und die Sintflut machen.

Oscarpreisträger Russell Crowe schlüpft in diesem bildgewaltigen Drama in die Rolle des Noah. Auch Jennifer Connelly („Hulk“) und Emma Watson („Harry Potter“) sind beim Bau der Arche, beim Kampf ums Überleben mit dabei.

Die Menschheit ist böse, soll dafür büßen. „Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde“, heißt es im Alten Testament.

Mit einer Sintflut soll alles zerstört werden; einer aber findet Gnade vor Gott, und das ist Noah. Er ist auserwählt, soll eine Arche bauen, und mit dieser von jeder Tierart je ein Weibchen und Männchen retten.

Zusammen mit seiner Frau (Connelly), den Söhnen Sem und Ham macht sich Noah im Film daran, Gottes Willen umzusetzen. An ihrer Seite, die von Emma Watson verkörperte Ila.

Es scheint nicht mehr allzu viele Menschen zu geben in Aronofskys auf Island gedrehter Variante der Apokalypse; der böse Tubal-Kain aber mit seinen Stammesleuten bekommt Wind von Noahs Plänen. Auch er will überleben, sich noch auf die Arche retten. Koste es, was es wolle. Der große Regen, 40 Tage und 40 Nächte, steht kurz bevor.

Es steckt mehr in dieser filmischen Kraftanstrengung, als man zunächst annimmt. Wobei vor allem das Aussehen der Arche überrascht, für das sich Aronofsky am 1. Buch Mose („Dreihundert Ellen sei die Länge...“) orientierte: mehr Kasten denn Boot, rechteckig, drei Stockwerke hoch.

Tatsächlich ließ Aronofsky auf Long Island einen Gutteil der Arche nachbauen, fünf Monate hat das gedauert. Die Tiere indes, „alles, was da kreucht und fleucht“, die dort Obdach finden, wurden digital ins Leben gerufen - und es ist atemberaubend, mit anzusehen, wie all die Spezies gen Arche strömen.

Nebst großartigen Bildern (Kamera: Matthew Libatique) ist es auch der Umgang mit der Kreatur, der an dem Film berührt: Zärtlich streichelt Noah zu Beginn des Films ein totes hundeartiges Wesen, später heißt es: „Wir müssen sanft sein und beschützend“. Noah als Tier-, als Umweltschützer: Man kann aus Aronofskys Epos auch Botschaften herauslesen an die Erdbewohner des 21. Jahrhunderts.

In Crowe („Gladiator“) hat der Regisseur zudem einen idealen Hauptdarsteller. Die Rolle des entschlossenen, doch zweifelnden Noah scheint dem gebürtigen Neuseeländer wie auf den Leib geschrieben. Nicht nur spricht Crowe im Film seine Worte mit alttestamentarischer Wucht, auch vom Habitus kann man sich derzeit kaum einen anderen Mimen in der Rolle vorstellen.

Egal ob Crowe, dessen wildes Haupt im Verlauf immer grauer wird, mit verzweifeltem Blick am Himmel nach einer Antwort Gottes sucht oder sich gar betrinkt: Stets findet er den rechten Ausdruck.

Zusammen mit Crowe gelingt Aronofsky die faszinierend vielschichtige (Neu-) Interpretation einer biblischen Figur, gleichsam brutal wie sanftmütig.

Jennifer Connelly dagegen fällt es schwer, sich an Crowes Seite zu behaupten, Emma Watson hat einige tolle Momente, Anthony Hopkins - er gibt Noahs Großvater - ist stark wie eh und je.

Aronofsky, der es einem nie leicht gemacht hat mit seinen so verstörenden wie bewegenden Filmen, der mal als Wunderkind des unabhängigen US-Kinos galt, vollzieht nun mit seinem „Noah“ einen veritablen Spagat: Aronofsky bleibt sich und seinen Wurzeln treu, zugleich aber deutet er mit dieser Großproduktion, die Potenzial zum Blockbuster hat, an, dass er sich nach seinem Erfolg mit dem Ballett-Thriller „Black Swan“ längerfristig im Mainstream-Sektor etablieren könnte.

Der Film startet im Cineplex.

von Matthias von Viereck

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