Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Bilderbuch richtet sich gegen Mobbing

„Mary­ Mondgesicht“ Bilderbuch richtet sich gegen Mobbing

Zwei selbstständige Künstler aus Marburg haben zusammen ein Buch für Kinder herausgebracht. „Mary Mondgesicht“ soll nicht nur eine schöne Geschichte sein, sondern auch einen „Erziehungseffekt“ erzielen.

Voriger Artikel
Nach „The Voice“ auf die lokale Bühne
Nächster Artikel
Swingend in die Weihnachtszeit

Anastasia und Alexander Kaschte zeigen auf der heimischen Couch ihr Kinder-Bilderbuch „Mary Mondgesicht“.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Mary ist traurig: „Obwohl Mary nur ein ganz normales Mädchen mit einem ganz normalen, sehr großen Gesicht ist, kommt es ihr heute so vor, als sei sie das einsamste, ja, sogar das einzige Mädchen auf der ganzen Welt“, steht im Kinderbuch geschrieben, das die Marburger Anastasia und Alexander Kaschte zusammen produziert haben.

Die gelernte Kinderbuch-Illustratorin hat die Bilder entworfen, Musiker Alexander den passenden Text dazu geschrieben. Herausgekommen ist „Mary Mondgesicht“: ein nachdenkliches Bilderbuch, welches das Thema Mobbing aufgreift, zum Schluss aber doch mit einem Happy End aufwartet.

Mary, die aufgrund ihrer Kopfform als „Mondgesicht“ verspottet wird, bekommt ­eines Nachts vom Mond eine ­Mondblume geschenkt, die ihr zu einem dauerhaften Lächeln verhilft. Zurück in der Schule freuen sich die Kinder, die ­Mary vorher noch gemobbt hatten,­ sie mit ihrem ansteckenden ­Lächeln zu sehen.

Idee zur Geschichte „war einfach da“

Entstanden ist das Buch über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren, erklärt Alexander Kaschte. Aber erst in den vergangenen Monaten „haben wir angefangen, es fertigzumachen“. Mit seiner Band „Samsas Traum“ widmet er sich zu einem großen Teil seiner Zeit der Musik. Aber auch zwei andere Bücher hat das Paar bereits herausgebracht. „Mary Mondgesicht“ ist aber das erste, das sich an Kinder richtet.

„Ich habe früher selbst als Kind auf dem Dorf nicht dazugehört, weil ich andere Dinge machen wollte, als die meisten“, berich­tet Alexander. Ein gewisser ­„Erziehungseffekt“ stecke daher schon in dem Buch. Ausgedacht hat sich die Geschichte aber eigentlich seine Frau. Wie die Idee dazu entstanden ist, könne Sie gar nicht sagen, berichtet sie lachend. „Sie war einfach da“.

Nach ernsten Themen in den vorangegangen Büchern („Das Buch der toten Kinder“, „Asenka und die Worte der Wölfe“) wollte die Kinderbuch-Illustratorin „mal wieder etwas Positiveres machen“ und das anwenden, was sie eigentlich gelernt hat. Die eigene Tochter (5 Jahre) spielte dabei ebenfalls eine Rolle – und ist ein „guter Indikator“ dafür, ob das Produkt auch bei Kindern ankommt.

600 Exemplare verkauft

Alexander, der sonst eher düstere Musik macht, hat mit der Arbeit an „Mary Mondgesicht“ einen Wandel durchlebt. „Der Bezug zu diesem dunklen Krempel ist ein bisschen verloren gegangen“, sagt er. Das Buch habe ihm einen Impuls gegeben, der dabei helfe, dass das nächste Album von „Samsas Traum“ wieder etwas anders werde als die vorherigen.

Hauptsächlich die Fans der Band sind es, die die bisher verkauften circa 600 Exemplare des Buches (1. Auflage: 1000 Stück) erworben haben. Genug für die beiden, um ein paar Wochen oder Monate davon zu leben. Die beiden Freiberufler sind „auf mehreren Kunstfeldern ­unterwegs“, sagt Alexander. Mit verschiedenen Projekten gelingt es ihnen, „über die Runden zu kommen“.

Allein von der Musik, sei das aufgrund des Internets immer schwieriger, erklärt der Sänger, der seit 2002 selbstständig ist. Reich werden möchte er aber durch seine Werke ohnehin nicht. „Wir finden Mainstream nicht cool – da gibt es wenig Innovatives“. Daher habe er keine Ambitionen, selbst zum Mainstream zu gehören. Stattdessen geht es den beiden darum, ihr Leben zu finanzieren und dabei das tun zu können, was ihnen Spaß macht.

Buch soll ruhig verliehen werden

„Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen, als selbstständig zu sein“, sagt Alexander. „Ich würde in ein Unternehmen auch gar nicht mehr reinpassen“. Gearbeitet wird bei den Kaschtes zuhause – immer dann, wenn die Tochter es zulässt. „Mit Unterbrechungen arbeite ich von 5 bis 16 Uhr“, so Alexander.

Zwar gebe es Dinge,­ die er weniger gerne tut – etwa Pakete mit Artikeln aus ­seinem Onlineshop verschicken. Aber trotzdem „muss ich mich nicht zum Arbeiten aufraffen“. Weitere Projekte stehen also für Anastasia und Alexander an – auch weitere Bilderbücher. „Da kommt sicher noch was für Kinder“, sagt Anastasia.

Das Paar will auch eine Fortsetzung von „Mary Mondgesicht“ gestalten. Zunächst aber hoffen sie, dass das gerade erschienene Buch gut ankommt. Alexander hofft: „Schön wäre, wenn es weitergegeben wird. Das heißt, dass Leute es verleihen, oder es zum Beispiel im Kindergarten rumgeht“.

  • Erhältlich ist das Buch im Online-Shop der Oberhessischen Presse oder in der Buchhandlung Lesezeichen in Marburg. Einen eigenen Online-Shop betreiben die Kaschtes unter www.insektenhaus.bigcartel.com
  • Anastasia und Alexander Kaschte: „Mary­ Mondgesicht“, Insektenhaus-Verlag, 38 Seiten, 21,95 Euro.

von Peter Gassner

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr