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Bilderbuch nicht nur für Landratten

Neu im Kino: Die Nordsee Bilderbuch nicht nur für Landratten

Die Nordsee ist mehr als pummelige Robben, Möwen und Wattwürmer - das zeigt mit aufwendiger Technik die Kino-Dokumentation „Die Nordsee - Unser Meer“.

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Tintenfische wie diese Sepien schwimmen aus dem Nordatlantik in die Nordsee, um sich im Bereich der niederländischen Oosterschelde zu paaren. Foto: Florian Graner

Quelle: Florian Graner

Marburg. Wäre er nicht Schauspieler geworden, Axel Prahl hätte sicherlich auch eine gute Kegelrobbe abgegeben. Wenn seine sonore Stimme durch den Kinosaal hallt, wirkt es, als könnten auch ihm weder Ebbe noch Flut, Raufereien zu Paarungszeit oder eine Sturmflut ernsthaft aufs Gemüt schlagen. Das alles lässt sich mit dem richtigen Blick auf die Welt ertragen: mit einem Augenzwinkern. Prahl, der vielen aus dem Münsteraner „Tatort“ als Kommissar Thiel bekannt ist, war daher wohl die perfekte Besetzung für den Sprecher-Job in der Kinodokumentation „Die Nordsee - Unser Meer“. Sie erzählt von den kleinen und großen Tieren, die an Land, im Wasser und in der Luft von der Nordsee leben.

In dem Film, unter anderem vom NDR produziert, reisen die Zuschauer von Deutschland über Dänemark, Norwegen, Großbritannien und die Niederlande einmal um die Nordsee. Der Dreiklang bei jeder Station: Faszinierende Landschaftsaufnahmen aus der Luft, der Sprung unter die Wasseroberfläche und Tiere aus nächster Nähe. Prahl liefert dazu die Geschichten - hier und da lehrreich, oft mit Ironie. Als Kegelrobbe ärgert er sich über den Nachwuchs, die „Jugendbanden“, als Austernfischer reicht ein „Jau!“, wenn ein Wurm gefunden wurde.

Doch was in Prahls Erzählung so entspannt daher kommt, war in der Entstehung harte Arbeit. Wie so manche Naturdokumentation der vergangenen Jahre war der knapp eineinhalbstündige Film eine wahre Materialschlacht mit 2000 Drehtagen. Spätestens seit dem Kinoerfolg „Unsere Erde“, der in Deutschland 3,8 Millionen Zuschauer anlockte, gehört modernste Technik zum guten Ton der Naturfilmer.

Bei „Die Nordsee - Unser Meer“ kam eine hochauflösende Helikopterkamera zum Einsatz, die ruckelfreie und stark vergrößerte Aufnahmen ermöglicht. Das Militär entwickelte den Mechanismus, um sie ruhig in der Luft zu halten. Bei Tauchgängen nutzten die Kameramänner eine Technik, die keine Blasen erzeugt - Kegelrobben ließen die Filmer daher sehr nah an ihre kalten Schnauzen heran. Mit Superzeitlupen entwickelt sich der Kampf zweier Moschusochsen zu einem Duell von epischer Breite.

Es wird vieles gezeigt, was Landratten unbekannt sein dürfte. Der zweitgrößte Fisch der Erde, der bedrohlich wirkende Riesenhai entpuppt sich als Planktonfresser. Die Dokumentation will ein Bilderbuch sein und schafft das auch. Themen wie die Folgen der Klimaerwärmung kommen nur am Rand vor.

Der Film läuft im Capitol.

von Jonas-Erik Schmidt

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