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Bilderbogen aus dem Mittelalter

Theater- und Festspielverein Wetter Bilderbogen aus dem Mittelalter

Auch wenn viele in diesem Theaterstück sterben müssen, Angst vor Krankheiten, Krieg und Tod herrschen, so bleibt am Ende doch die Botschaft: Lasst euch den Mut nicht nehmen. Und wie das geht, das weiß man nach der Aufführung auch.

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Ein rauschendes Fest mit Musik und vielen rasanten Tanzszenen wird trotz vieler düsterer Szenen am Ende des Stücks gefeiert.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Nicht enden wollender Applaus, Bravo- und Super-Rufe gab es von den 170 Premierenbesuchern für das Ensemble des Theater- und Festspielvereins Wetter.

Zweieinhalb Stunden lang hatten 40 Darsteller in 100 Rollen in „Lutrudis oder das Weistum von Wetter“ dem Publikum vor den stimmungsvoll mit Lichteffekten in Szene gesetzten Kulissen der Freilichtbühne auf dem Klosterberg nicht nur ein Theaterstück, sondern ein Fest für alle Sinne geboten.

Regie führte erstmals Dr. Ernst Engelbert, assistiert von Ingrid Hintze und Sabine Kaiser, die gemeinsam mit dem Ensemble eine lebendige, sehr unterhaltsame und sehenswerte Inszenierung erarbeitet haben.

In der Neuauflage des 1989 von Dr. Joachim Hintze als Auftragsarbeit für das 750-Jahr-Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte an Wetter geschriebenen Stücks wurde ritterlich gekämpft, jämmerlich auf dem Scheiterhaufen der Inquisition gestorben, bewegend gesungen, schwungvoll getanzt, Liebe verloren und gewonnen, Feuer gespuckt und jongliert.

Die Inszenierung bot ein rauschendes Fest mit Musik und vielen rasanten Tanzszenen wird trotz vieler düsterer Szenen am Ende des Stücks gefeiert.

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Niemand sollte sich von dem Etikett „historisches Drama“ abschrecken lassen, sich die großartige Inszenierung anzuschauen. Auch, wenn man hinterher ein wenig mehr Einblick in die Jahre zwischen 1230 und 1240, deren Ereignisse dem Stück zugrunde liegen, hat, so ist es doch keine Geschichtsstunde.

Historisch belegtes Geschehen und Erdachtes mischen sich zu einem äußerst unterhaltsamen Spektakel, bei dem die zum Teil auch in den Hauptrollen sehr jungen Laiendarsteller des Vereins hin- und mitreißend agieren. Wer die ersten steifen Tanzschritte in den monatelangen Proben gesehen hat, kann sich nur wundern, mit welcher Eleganz sie sich am Ende der Aufführung bewegen.

Und auch die Schlachtszene, der Kampf zwischen den Rittern Landgraf Hermanns, des Sohns der heiligen Elisabeth, gegen die Gefolgsleute des Erzbistums Mainz zur Eroberung Wetters, ist atemberaubend choreographiert. Wer ängstlicher Natur ist, sollte vielleicht die 
ersten Stuhlreihen vermeiden, denn Schwert und Lanze sausen nur wenige Zentimeter über die Köpfe der Zuschauer hinweg.

Grausames Ende auf dem Scheiterhaufen

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, als sich die Oberen von Wetter auf Geheiß Landgraf Hermanns zusammensetzen, um die Regularien für das „Weistum“, die Stadtrechte, auszuarbeiten und jeder dabei allein auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Während eine junge Liebe auf dem Scheiterhaufen grausam endet, findet die zwischen dem Freund des Gerichteten, Ritter Tammo von Beltershausen, und der Stiftsdame Gertrud von Leimbach ein Happy End. Dieses wird gesanglich von einem tollen Duett von Benjamin 
Schmidt und Ulla Keller mit 
einem umgedichteten Lied aus dem „Phantom der Oper“ begleitet. Keller hatte zuvor bereits bewegende Solo-Auftritte mit dem Chor der Stiftsdamen sowie mit dem „Ave Maria“.

Was bleibt neben den 
Handlungssträngen um den 
politischen Machtkampf zwischen weltlichen und kirchlichen Fürsten, in die die Stadt Wetter mit ihren Bürgern sowie das dortige Stift gerät, neben der Geschichte von Elisabeth, die für die menschliche Kirche steht, und um deren Beichtvater sowie oberstem Ketzerrichter 
Deutschlands, Konrad von Marburg, der den Ritter Gottfried von Goßfelden zum effektvoll inszenierten Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt?

Lutrudis: Wir werden auch das noch überstehen

Mitten in das große, fröhliche Fest am Ende meldet sich plötzlich aus einem Fenster hoch über der Bühne eine „Weiße Frau“ zu Wort. Es ist ja noch die Zeit des sogenannten „dunklen Mittelalters“, eine Zeit, in der der Tod den Menschen sehr viel näher stand als heute uns, und in der es vielerlei Ängste gab. Die Frau verkündet Unheil, sie weist auf später in der Geschichte Wetters tatsächlich eingetretene Unglücke wie Pest, Krieg oder Feuersbrunst hin.

Doch Lutrudis, die Äbtissin des Stifts, spricht allen Mut zu: Wir werden auch das noch überstehen, lasst uns trotzdem feiern, fröhlich sein und weitertanzen. Und so geschieht es auf der Bühne. Eine Botschaft von unverminderter Aktualität bei der heutigen Nachrichtenlage, wo wieder mittelalterlich anmutende Denkweisen den Menschen Angst machen.

  • Weitere Aufführungen gibt es am 22. und 23. Juli ab 21 Uhr, am 24. Juli ab 17 Uhr. Kartenreservierung unter www.theaterverein-wetter.de, Vorverkauf bei Gardinen Mehring, Fuhrstr. 29 in Wetter.

von Manfred Schubert

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