Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
„Bilder zeigen, wie eine Krise bewältigt wird“

Ausstellung von Volker Brozio „Bilder zeigen, wie eine Krise bewältigt wird“

Kunst als Mittel zum Ausdruck innerer Befindlichkeiten und zugleich Kritik am Umgang des Menschen mit Mutter Erde: die Kunstapotheke stellt Bilder von Volker Brozio aus.

Voriger Artikel
Für Alltagsforscher, Pferdefreunde und Piratenkapitäne
Nächster Artikel
Mensch und Natur werden zu Kunst

Volker Brozio steht neben seinem 2010 entstandenen Bild „Stillleben: Geige, Blumen, Sonnen und Notenpult“.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Brozios Bilder laden dazu ein, über Befindlichkeiten und das persönliche Innenleben in Austausch zu kommen. Sie zeigen künstlerisch, wie eine Krise bewältigt wird“, sagte Hans Georg Edelbluth, Leiter des Marburger „Zentrums für Arbeit und Kommunikation“, wo Volker Brozio zurzeit beschäftigt ist, bei der Vernissage der Ausstellung „Die Kunst des Naturalen Expressionismus in Zeiten der atomaren Gegenwart“.

Der 1958 in Gelsenkirchen geborene Künstler, dessen Elternhaus in Kirchhain steht, gab selbst einen Abriss seiner Leidensgeschichte, die mit einer fälschlich als Psychose diagnostizierten und falsch behandelten Krankheit begann, zur Medikamentenabhängigkeit und zu einem ersten stationären Aufenthalt im Psychiatrischen Krankenhaus Marburg Anfang der 80er-Jahre führte. Später ging er nach Stuttgart, wo er Buchbinder wurde. Dort sei ihm die Umwelt mit zu vielen Autos in der Stadt unangenehm gewesen. 1998 sei er nach Marburg zurückgekehrt.

„Wir haben fünf vor zwölf“

Im Laufe seiner Therapien habe er unter anderem Blockflöte und Geige gelernt. Die Geige liebt Brozio besonders, sie ist auch eines seiner Bildmotive, aber das Musizieren geht ihm wohl zu nahe. „Ich durfte einmal in einer Kirche Geige spielen, das war überwältigend. Danach habe ich sie weggepackt“, sagte er.

Anders die Arbeit mit Farbe und Leinwand: Die gezeigten 43 Bilder gehören zu vier zwischen November 2009 und März 2015 entstandenen Zyklen, die Titel wie „Die Tränen der Kunst“ oder „Die Schöpfung und die Bahnen der Gene“ tragen. „An ihnen ist zu erkennen, wie ich aus der Tiefe wieder nach oben gekommen bin, wie es mir besser ging, als ich wieder erkannt habe, dass ich noch unter den Lebenden bin“, sagt Brozio.

Aber auch Kritik am Umgang des Menschen mit der Umwelt zeigt sich in Brozios in Acryl sowie mit verschiedenen Buntstiften ausgeführten Bildern. „Wir haben fünf vor zwölf. Man sollte überlegen, ob das Mutter Erde gut tut“, sagte er etwa mit Blick auf die vielen Autos. Und in den zum Teil in den Mikrokosmos gehenden Zeichnungen mit Titeln wie „Die atomare Supermacht oder die Psychologie des Unmöglichen“ mit einer monströs-menschlichen Gestalt drücken sich Ängste vor den Folgen der militärisch oder zivil genutzten Kernspaltung aus.

Die Ausstellung ist bis zum 26. Juli dienstags, mittwochs und donnerstags von 16 bis 18 Uhr in der Kunstapotheke - Galerie am Richtsberg, Friedrich-Ebert-Straße 25, zu sehen. Der Künstler will meist anwesend sein.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr