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Bilder von Heiligen und Huren

Ausstellung Bilder von Heiligen und Huren

Ist es ein Foto oder ein Gemälde? Oder vielleicht beides? Die Bilder von Thomas Jessen, die seit Freitag in der Ausstellung „Verkündigung I Insilence“ der Galerie Schmalfuß zu sehen sind, spielen mit dieser Spannung.

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Der Künstler Thomas Jessen steht vor seinem Gemälde „Triumph des Todes“.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Der Kardinal und die Hure, der alte Mann und das Mädchen - Porträts stehen im Mittelpunkt der Werke von Thomas Jessen. „Von der Heiligen bis zur Prostituierten hat der Künstler alles gemalt“, erklärte Galerist Michael Schmalfuß bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend. „Jessen ist einer der besten deutschen Porträtkünstler derzeit.“

Aber auch die Natur hat es dem Maler angetan, seine Landschaften wirken ansprechend und lebendig. Der Wind scheint durch ein sattgelbes Rapsfeld zu streichen, mächtige Kastanien recken die Blätter in die Luft. Die großformatigen Bilder von Thomas wirken äußerst realistisch und bergen doch meist ein Geheimnis. „Die Arbeiten von Jessen sind nicht sofort zu entschlüsseln,“ erläuterte Schmalfuß. „Es werden Geschichten erzählt und Assoziationen geweckt.“

In dem Bild „Der Triumph des Todes“ zum Beispiel hat der Künstler einen Freund gemalt, das Porträt aber mit einem mittelalterlichen Fresko verbunden.

Jessens Bilder treten in einen intensiven Dialog mit dem Betrachter, sie lassen niemanden unberührt. „Das gemalte Bild hat eine ganz andere Präsenz als das Foto“, sagte der Künstler selbst. „Das Foto ist schnell Vergangenheit, aber die Mona Lisa lächelt heute noch.“ Etliche der Arbeiten sind Kombinationen aus Fotografie und Ölgemälde. Hierzu projiziert er ein Foto auf eine Leinwand und übermalt es dann.

Menschen sind auch das Thema der Arbeiten von Peter Simon Mühlhäußer. Der Bildhauer hat aber im Gegensatz zu Jessen keine Porträts geschaffen, sondern fiktive Menschenbilder. Die androgyn wirkenden Skulpturen zeigen Menschen in ihrer ganzen Körperlichkeit und schutzlosen Nacktheit. Sie zielen in ihrer Aussage vor allem auf den psychischen Zustand der Figuren und zeigen Seelenzustände wie Angst, Verunsicherung und Zorn.

Die Skulpturen sind aus Epoxit oder Bronze gefertigt, einige wurden in Spezialverfahren gefärbt, die der Künstler selbst entwickelt hat.

Peter Simon Mühlhäußer wurde 1982 geboren. Er hat zunächst eine Ausbildung zum Marmorbildhauer absolviert, dann studierte er in New York. Heute lebt und arbeitet Mühlhäußer in Berlin. Einige seiner Werke waren auf der Biennale ausgestellt.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Juli in der Galerie Schmalfuß, Steinweg 33, zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis16 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung.

von Bettina Preussner

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