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Bilder vom Wahnsinn des Krieges

Syrischer Flüchtling stellt Gemälde aus Bilder vom Wahnsinn des Krieges

Khaled Al Deab hat viel gesehen. Seine beeindruckenden Bilder, die vom Krieg erzählen, aber auch von der Hoffnung, sind jetzt im Landratsamt ausgestellt. Am Dienstagabend war Vernissage.

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Dieser junge Künstler hat viel zu erzählen: Khaled Al Deab steht vor einem seiner Gemälde, die im Foyer des Landratsamtes zu sehen sind.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Ein schreiender Vater hebt sein Kind in den Himmel, im Hintergrund schwebt bedrohlich ein Kriegshubschrauber. Ist der Säugling tot oder lebendig? Drei Kinder sitzen verängstigt auf dem Boden und halten sich die Ohren zu, ein Kinderschuh liegt auf dem Boden, die Unterseite ist blutig.

Die Bilder des syrischen Künstlers Khaled Al Deab lassen niemanden kalt. Sie erzählen vom Wahnsinn des syrischen Bürgerkriegs, aber sie erzählen auch von der Hoffnung. Auf einem seiner Bilder ist eine friedliche Flusslandschaft zu sehen, es trägt den Titel „Lahn“.

Die Bilder zeichnen den langen Weg nach, den Khaled Al Deab hinter sich hat. Der Künstler floh 2013 nach dem Einschlag einer Bombe in sein Haus in Damaskus mit der gesamten Familie nach Amman in Jordanien. Dort arbeitete er und kam dann 2014 über die Balkanroute mit dem Auto und zu Fuß nach Deutschland. Heute lebt er in Biedenkopf und spricht schon ganz gut Deutsch.

Landrätin Kirsten Fründt sprach bei der Begrüßung am Dienstag davon, dass diese Ausstellung etwas ganz Besonderes sei. Sie freue sich, einem Neubürger die Gelegenheit zu geben, seine Kunst öffentlich zu präsentieren. Sie ergänzte, dass Kunst und Kultur auch ein guter Weg seien, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

„Ich habe viel Hilfe bekommen in Biedenkopf“

Birgit Simmler, Kulturreferentin der Stadt Biedenkopf, gab am Dienstag eine Einführung in die Ausstellung. Sie wies darauf hin, dass sich die Form in Deabs Bildern immer wieder verändert hat. „Die Bilder spiegeln in der Abstraktion das Verschwinden des Individuums im Krieg wider“, erläuterte sie. Aber auch in den Kriegsbildern sei immer wieder Hoffnung zu spüren. So halten auf einem Ölgemälde zwei Männer Musikinstrumente statt Waffen in den Händen.

Der junge Künstler selbst erzählte im Gespräch von seinem neuen Leben in Deutschland. „Mir gefällt es sehr gut in Deutschland“, betonte er. „Ich habe viel Hilfe bekommen in Biedenkopf.“ Er nannte hier besonders Silvia und Thomas Salzbauer, die auch die musikalische Gestaltung bei der Vernissage übernahmen.

Mit der Kunst will Deab auf jeden Fall weitermachen. „Ich könnte jeden Tag ein Bild malen“, erzählte er begeistert. „Ich sehe meine Zukunft als Künstler.“ Er sei thematisch breit aufgestellt, so Deab weiter, er könne alles malen vom Porträt bis zur Landschaft. Im März stellte Deab einige seiner Bilder im Rathaus Biedenkopf aus. Von April bis Juni folgte eine kleine Ausstellung in einer Buchhandlung in Biedenkopf.

Khaled Al Deab wurde 1985 in Damaskus geboren, wo er bis zu seinem 27. Lebensjahr lebte. Sein Kunststudium konnte er aufgrund des Krieges nicht beenden.

  • Die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes trägt den Titel „Neuanfang“ und dauert noch bis zum 21. Januar 2016. Sie ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag bis Donnerstag 7 bis 16 Uhr und Freitag 7 bis 14 Uhr. (Im Lichtenholz 60).

von Bettina Preussner

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