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Bilder voller Sehnsucht und Trauer

Haus der Romantik: Jacob-Pins-Ausstellung Bilder voller Sehnsucht und Trauer

In seinen farbigen Holzschnitten hat Jacob Pins die Erfahrungen des Holocaust verarbeitet. Jetzt sind die kunstvollen Arbeiten im Marburger Haus der Romantik zu sehen.

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Professorin Marita Metz-Becker (von links), Dr. Dieter Schuler und Sabine Harder (von links) bei der Eröffnung der Ausstellung.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. „Die heutige Ausstellung ist etwas ganz Besonderes“, erklärte Dr. Marlis Sewering-Wollaneck am Freitagabend bei der Eröffnung der Schau.

„Die Verbindung der Biografie des Künstlers mit der Romantik regt auf verschiedenen Ebenen zur Reflexion an.“ Auch Professorin Marita Metz-Becker hieß die zahlreichen Gäste willkommen und sagte mit Blick auf die Ausstellung: „Wir sehen hier die deutsche Romantik als Fluchtpunkt für die Seele.“

Jacob Pins wurde 1917 in Höxter geboren. Bis die Nazis kamen, erlebte er eine unbeschwerte Kindheit in der westfälischen Stadt. Schon als Schüler musste er nach Palästina emigrieren, die Eltern blieben in Deutschland zurück.

Sie wurden deportiert und 1944 von den Nazis ermordet. Jacob Pins studierte in Palästina trotz großer Entbehrungen Kunst und wurde ein international erfolgreicher Künstler. Er schuf mehr als 1000 Werke, stellte in Europa, Amerika und Australien aus und gewann viele Preise. 2005 starb er in Jerusalem.

Intensive Farben sprechen deutliche Sprache

Jacob Pins, der bei einem Expressionisten studiert hatte, entwickelte einen ganz eigenen Stil. In seinen Bildern verarbeitete er die historische Erfahrung des jüdischen Volkes, brachte seine Ängste und Träume zum Ausdruck, seine Einsamkeit und seine Trauer. In den zahlreichen Natur- und Tierdarstellungen ist immer wieder die Sehnsucht nach Arkadien zu spüren, sein Wunsch nach Vollkommenheit, Gleichgewicht und Harmonie.

Viele der 32 farbigen Holzschnitte in der Marburger Ausstellung erzählen von diesen Empfindungen. Sabine Harder, die Kuratorin der Schau, betonte, dass Pins wie die Künstler der Romantik mit seinen Werken die Gefühlswelt direkt anspricht.

Auch die intensiven Farben der Bilder sprechen eine deutliche Sprache. In dem kraftvollen Grün seiner Landschaften spiegele sich Pins Sehnsucht nach seiner deutschen Heimat wider, in den Gelb- und Ockertönen tauchten die Farben der Wüste in Palästina auf, so Harder weiter.

Aber die Geschichte des jüdischen Künstlers ist auch eine Geschichte der Versöhnung. In seiner Geburtstadt Höxter entstand nach dem Krieg durch eine Initiative der Bevölkerung das Jacob-Pins-Forum. Das Museum widmet sich seit vielen Jahren dem Leben und dem Werk des Künstlers.

Dr. Dieter Schuler, der Leiter des Forums, erzählte am Freitag auch von den vielen persönlichen Kontakten, die zu Pins geknüpft wurden. 1990 wurde der Künstler dann offiziell nach Höxter eingeladen und 2003 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Bereits 1989 hatte Pins, ohne dass es öffentlich wurde, die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und auch erhalten.

  • Die Ausstellung im Marburger Haus der Romantik ist in Zusammenarbeit mit dem Jacob-Pins-Forum entstanden. Sie ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr (Markt 16).

von Bettina Preussner

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