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„Bilder sind extrem kraftvoll“

Filmpreis „Bilder sind extrem kraftvoll“

Es wird sicher wieder voll heute Abend in der Alten Aula, wenn der Marburger Kamerapreis feierlich verliehen wird. Preisträger ist in diesem Jahr der polnische Kameramann Pawel Edelman.

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Pawel Edelman gilt als einer der bedeutendsten europäischen Bildgestalter.Foto: Tina Eppler

Marburg. Er hat ein volles Programm, der Empfänger des 14. Marburger Kamerapreises, Pawel Edelman. Der Pole gibt eine Workshop zum polnischen Film, diskutiert mit Vertretern der Hessischen Filmakademie und im Rahmen der Kameragespräche zwei Tage lang mit Filmwissenschaftlern und Filmkritikern. Eröffnet wurden die Marburger Kameragespräche gestern im Filmkunsttheater von Prof. Dr. Malte Hagener, der gemeinsam mit Studierende des Fachbereichs Medienwissenschaft Preisverleihung und Kameragespräche vorbereitet hat. Aber auch wenn es kaum eine Atempause gibt, Arbeit sei das nicht für ihn, beteuert der Preisträger im Interview.

OP: Herr Edelman, wie anstrengend ist das Programm rund um die Preisverleihung für Sie?

Pawel Edelman: Das ist keine Arbeit, das ist ein pures Vergnügen. Ich treffe auf Leute, die Filme lieben und darüber reden wollen - ich werde zwei Tage eine gute Zeit haben. Ich habe schon gehört, wie viele Menschen in Marburg sich für die Arbeit der Kameraleute interessieren - das ist erstaunlich. Normalerweise sind wir die Leute auf der anderen Seite der Kamera, die niemand kennt. Es ist eine Überraschung, das es hier anders ist - eine schöne Überraschung.

OP: Wie würden Sie Ihre Rolle bei der Produktion eines Films beschreiben?

Edelman: Ich bin für die Bilder zuständig - einen sehr wichtigen Teil des Films. Bilder sind extrem kraftvoll. Sie können Stimmungen erzeugen. Ich sehe mich als denjenigen, der dem Regisseur hilft, diesen Teil des Films zu erschaffen.

OP: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Regisseuren?

Edelman: Wir entwickeln die Ideen gemeinsam, es ist wie eine Partnerschaft. Ich liebe die Diskussion mit den Regisseuren, in ihnen entscheidet sich, welchen Stil der Film bekommen soll. Die Regisseure, mit denen ich immer wieder arbeite Andrzej Wajda, Roman Polanski, Wladyslaw Pasikowski - sind talentiert, intelligent, loyal - es sind Freunde.

OP: Würden Sie sagen, dass sie eine besondere „Handschrift“ haben?

Edelman: Nein, ich versuche, immer etwas Neues zu bringen. Schon im Drehbuch kann man eigentlich den Stil ablesen, man versuchen, ihn darin zu erkennen.Jedes Drehbuch verlangt etwas anderes von mir, jede Geschichte braucht eine andere Sprache. Ich wäre sehr stolz, wenn man keine Handschrift erkennen kann.

OP: Welche Arten von Filmen interessieren Sie, so dass Sie Teil des Projekts sein wollen?

Edelman: Die Geschichte muss interessant sein, sie muss etwas über die heutige Zeit aussagen. Sie muss Menschen berühren und verändern können. Und es ist wichtig, wer der Regisseur sein wird. Wenn ich ein Drehbuch wähle, dann wähle ich das damit das Thema und den Regisseur.

OP: Wie entwickeln Sie die Bilder für einen Film?

Edelman: „Gott des Gemetzels“ zum Beispiel musste sehr genau vorbereitet werden. Wir hatten große Stars und nur wenig Zeit für die Proben. Fast der ganze Film spielt in einem Raum und wurde im Studio gedreht. Roman Polanski und ich haben eine genaue Choreographie mit allen Kameraeinstellungen für das Set entwickelt. Andrzej Wajda dagegen arbeitet ganz anders. Er mag es, zu improvisieren und entwickelt seine Vorstellungen manchmal aus einem bestimmten Bild heraus während Polanski alles ganz genau probt. Bei der Vorbereitung malt man Bilder auch auf, um festzulegen, wie sie im Film aussehen sollen.

OP: Wie unterscheidet sich die Arbeit in Europa von der in den USA?

Edelman: In Amerika spürt man die Maschinerie des Filmgeschäfts mehr, das Künstlerische steht weniger im Vordergrund. Alles ist viel größer, viel schneller. Man hat die mächtigen Stars am Set, der Erfolgsdruck ist größer.

OP: Denken Sie, dass die Filmindustrie mit den vielen Blockbustern die Produktion kleinerer, künstlerisch anspruchsvoller Filme künftig noch schwerer machen wird?

Edelman: Ich bin optimistisch.Es gibt immer noch großartige Regisseure, ambitionierte Produktionen. In Polen sind oft anspruchsvolle polnische Filme erstaunlicherweise oft erfolgreicher als die großen amerikanischen Produktionen.

Es wird sicher wieder voll heute Abend in der Alten Aula, wenn der Marburger Kamerapreis feierlich verliehen wird. Preisträger ist in diesem Jahr der polnische Kameramann Pawel Edelman.Von Heike Döhn

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