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Bezaubernder Opern-Spuk für Kinder

Marburger Schlossfestspiele 2014 Bezaubernder Opern-Spuk für Kinder

Schon zum dritten Mal spukt es im Landgrafenschloss. Im Rahmen der Schlossfestspiele begegnet Schlossgespenst Elsbeth dem Gespenst von Canterville.

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Das Marburger Schlossgespenst Elsbeth (Annette Pfeiffer) hat Besuch aus England: Zu Gast ist das Gespenst von Canterville (Alec Otto).Foto: Heike Döhn

Marburg. Elsbeth scheint in Marburg schon viele Freunde gewonnen zu haben - schon jetzt sind nahezu alle Aufführungen der Kinderoper ausverkauft. Das zeigt, dass dieses Format gut angenommen wird, bei dem eigens für die Festspiele komponierte moderne Klassik, humorvolle Geistergeschichten und der Spielort Schloss eine ganz besondere Verbindung eingehen.

England ist diesmal das Thema des von dem Verein musica europa ausgerichteten Festivals, und aus England hat es auch das Gespenst von Canterville nach Marburg verschlagen. Im Koffer eines amerikanischen Touristen ist es dorthin gelangt und trifft auf Elsbeth, ein nicht sonderlich gruseliges Schlossgespenst, das vor allem an Bonbons interessiert ist.

Das Gespenst von Canterville, das im Original von Oscar Wilde ersonnen wurde, fühlt sich hingegen berufen, zu erschrecken und zu entsetzen, auch wenn ihm das alles längst keinen Spaß mehr macht. Elsbeth macht sich große Sorgen, dass der garstige Geist die Besucher - und damit mögliche Bonbonspender - vom Schloss fernhalten könnte, merkt aber bald, dass der Besuch aus England nichts lieber will als einfach nur schlafen.

Dass dieses Suchen nach Ruhe die Suche nach dem Tod ist, das ist nur ganz zart angedeutet. Und deshalb hat es auch nichts Trauriges, wenn Dr. Ohrwurm alias Zauberer Juno alias Horst Lohr dem Gespenst von Canterville zu einer magischen Heimreise und dem ersehnten Schlaf verhilft.

Die Inszenierung von Kerstin Weiß lebt von den wunderschönen Kostümen, den stimmungsvollen Spielorten - Rittersaal, Schlosshof, Kasematten, Brunnenkammer - und natürlich von der Musik. Der englische Komponist Danyal Dhondy hat eine Klangwelt erschaffen, die sich zwischen expressiven Momenten und eingängigen Melodien bewegt, die sehr atmosphärisch und gelegentlich auch ein klein wenig spukhaft ist. Der Klarinettist Ako Karim begleitet die beiden Geister musikalisch durch die Geschichte und liefert mit seinem Instrument die dritte Stimme. Annette Pfeiffer ist eine kapriziöse Elsbeth, charmant und witzig, Alec Otto als trotz aller Bemühungen nicht wirklich schrecklicher Geist ihr idealer Widerpart. Beide verbinden eine beeindruckende stimmlicher Darbietung mit viel schauspielerischem Talent und es gelingt ihnen, die Kinder trotz der für die meisten sicher ungewohnten Kunstform Oper über eine Stunde zu fesseln. Dass die gesungenen Texte nicht einfach zu verstehen sind, wird durch die gesprochenen Texte dazwischen aufgefangen. Den meisten Spaß hatten die Kinder offenkundig, als sie selbst mitmachen durften, und auch wenn die Kleineren bei den längeren Gesangspassagen ein wenig zappelig wurden, so ließen sie sich doch immer wieder von der Geschichte und der Musik gefangennehmen.

Für Kinder von sechs bis zehn Jahren ist dieser musikalisch überzeugende und liebevoll inszenierte Einstieg in die Welt der Oper absolut zu empfehlen, für Erwachsene ohnehin.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Alle Vorstellungen bis auf die am Sonntag, 27. Juli ab 11 Uhr sind bereits ausverkauft. Kleiner Trost: Elsbeth kommt im nächsten Sommer erneut ins Marburger Schloss, dann wieder mit einem neuen Abenteuer.

von Heike Döhn

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