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Ein „Schirmherr auf Lebenszeit“

Marburger Krimifestival Ein „Schirmherr auf Lebenszeit“

„Sie sind schon richtig hier“, versicherte Friedrich Ani. Auch wenn er Kurzgeschichten las, Krimis waren mit dabei. Und überhaupt: „Ich bin der Schirmherr, ich darf das“.

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Einmal mehr beste Unterhaltung bot Bestsellerautor Friedrich Ani zum Auftakt des Marburger Krimifestivals.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Seit vielen Jahren begleitet Friedrich Ani das Marburger Krimifestival bereits als Autor. 2016 trat er dann zum ersten Mal als Schirmherr in Aktion – und zwar zum Spaß sogar buchstäblich, mit einem Schirm eben. Am vergangenen Freitag war er erneut in dieser Funktion zu Gast in Marburg. Und machte gleich mal klar, wie ernst er diese Rolle nimmt: Als „Schirmherr auf Lebenszeit“ trug er sich ins Gästebuch der Veranstalter ein.

„Ich liebe Marburg“, bekundet er zu Beginn seiner Lesung. Und: „Ich liebe diesen Platz“, das Lesepult im TTZ. Auch wenn er ihn immer wieder irritiere. Und er jedes Mal eine Dioptrie mehr habe, wie er scherzte.

Zu lachen bekamen die gut 60 Gäste der Lesung danach noch ordentlich. Weil sein neuer Roman – der zweite Fall für den pensionierten Kommissar Jakob Franck – erst in dieser Woche Premiere hat, las Ani nur ganz am Schluss das erste Kapitel daraus vor und ansonsten „Unterhaltung“. Unter diesem Titel veröffentlichte er 2014 eine Sammlung von Kurzgeschichten. „Ein saugeiler Titel“, fand Ani, und war überrascht, dass der tatsächlich noch nicht vergeben war. Einige der Geschichten sind auch Krimis und bei denen, die es nicht sind – „das merken Sie gar nicht, weil alles immer irgendwie zwielichtig ist“.

Hass-Liebe zu seiner Heimat

Nach wenigen Minuten und einer Geschichte mit einem Protagonisten namens Neidhard Kardigglding dann die Feststellung: „Sie sehen schon, worauf das hinausläuft: Bayern-Bashing“.

In der Tat verbinde ihn offenbar eine Hass-Liebe zu seiner Heimat, analysierte ein Besucher der Lesung im Anschluss und stellte die Frage, was ihn denn an München binde. „Faulheit“, gestand Friedrich Ani. Er sei ein Stadtmensch, seine Geschichten seien Stadtgeschichten. Aber seit Jahren wolle er nach Husum ziehen, weil er auch die Nordsee liebt. Bislang ist nur nichts daraus geworden.

Dass Ani viel mehr kann als nur Krimi, weiß man indes schon lange. Er schreibt Drehbücher fürs Fernsehen, er schreibt Lyrik, er schreibt Jugendbücher. Und er ist mehrfach preisgekrönt. Egal, ob Kurzgeschichten oder Krimis, Jakob Franck oder der bereits seit 20 Jahren ermittelnde Tabor Süden – für die Besucher seiner Lesungen liefert der Autor immer beste Unterhaltung. Wie sie auch heißen mag. Dieses Mal eben ein bisschen mehr Satire und Komik als sonst.

„Irgendwas ist heut‘ anders als sonst“

Da hätten wir alles von der Ein-Satz-Geschichte „Das Grinsen der Bohnen im Darm des Gringos“ bis hin zu einem „komplexen Dialog um Mitternacht“, der mit der Frage beginnt, ob Hitler ein Nazi war. Weitere Fragen in „Unterhaltung“: „Hastu scho a Schpua?“ oder „Moxt an Schnaps?“ Außerdem verkauft ein ewig klammer Wiesn-Wirt Frau und Tochter nach Russland und will ein „Oktoberrevolutionsoktoberfest“ auf der Krim veranstalten. Und Béla ­Réthy und Steffen Simon essen zusammen Nudeln.

„Irgendwas ist heut‘ anders als sonst“, stellte der Autor zwischendrin fest. „Vielleicht liegt’s an mir? Oder es liegt am Silvaner?“ Marburg treu bleiben wird er trotzdem und sowieso. „Schirmherr auf Lebenszeit“ eben. Und jede Menge hochkarätige Kollegen aus dem Krimi-Genre werden in den kommenden Wochen noch in Marburg lesen, zum Beispiel Jan Seghers oder Anne Chaplet.

Die nächsten Lesungen:

Diesen Mittwoch stellt Susanne Kliem (Foto: Annett Achtzehn) ihren Psychothriller „Das Scherbenhaus“ ab 20 Uhr in der Stadtbücherei Marburg vor. Es ist der fünfte Krimi der Autorin seit 2009. Im Zentrum steht Carla Brendel, die von einem Stalker verfolgt wird und zu ihrer Halbschwester flüchtet, die in einer bestens gesicherten Wohnanlage lebt. Doch auch die bietet keinen Schutz.
Am Donnerstag ist wieder einmal eine Autorin aus Schweden zu Gast: Emelie Schepp (Foto: Eva Lindblad), die 2016 zur besten Spannungsautorin Schwedens gekürt wurde, liest ab 20 Uhr im TTZ aus ihrem Roman „Engelsschuld“. Es geht um eine grausame Mordserie in der Stadt Norrköping und um einen Mann, der von einer schweren Schuld bedrückt wird und deshalb schweigt.

von Nadja Schwarzwäller

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