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Beste Musik aus Griechenland und Kanada

KFZ-Konzerte Beste Musik aus Griechenland und Kanada

Zwei hörenswerte Konzerte unterschiedlicher Machart und unter unterschiedlichen Bedingungen bereicherten das Ausgeh-Angebot am Freitag und Samstag.

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Jonas & The Massive Attraction aus Kanada boten Fußball-Muffel am Samstagabend beste Unterhaltung.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Imam Baildi ist ein sehr beliebtes Gericht des südöstlichen Mittelmeer-Raumes: Auberginen, in Olivenöl gegart, mit Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten gefüllt. Ein ähnlich leckeres Gericht bietet die griechische Band gleichen Namens. Nimmt man Bouzouki, Electro Swing, etwas Hip Hop und eine Prise Balkan Brass, kocht diese für zwei Stunden im Marburger KFZ in einer tanzwütigen Menschenmenge, erhält man einen absoluten Schmaus für die Ohren.

Die Hellenen verbinden äußerst feinfühlig die Folklore ihrer Heimat mit Hip-Hop, osteuropäischen Balkan-Beats und würzen den einen oder anderen Song mit südamerikanischer Salsa. Orestis und Lysandros Falireas zeigen der Menge von Anfang an, dass es heute nur ein Ziel gibt: tanzen.

Griechische Samples mit fetten Beats unterlegt, treibende Basslinien: Orestis Falireas ist im stetigen Wechsel zwischen vier Saiten und den Knöpfen seines Mischpultes. Mit seinem Bruder Lysandros an den Drums entwickelt er die leckeren und variantenreichen Rezepte der siebenköpfigen Band.

Ein bisschen Jazz gefällig? Oder Ska? Lambis Kountourogiannis und Periklis Aliopis heizen der Menge, die vom ersten Ton an fröhlich vor sich hin zappelt, mit schnellen Ska-Rhythmen und scheppernden Saxophon-Soli ein. Die Konzerte von Imam Baildi gleichen der ausgelassenen Party einer griechischen Familienfeier. Würde Alexis Arapatsakos, der stetig traditionelle Rembetiko-Themen auf seiner Bouzouki vor sich hin zupft, auf einer griechischen Restaurantterrasse spielen, wäre es sicher angenehme Hintergrundmusik, die die Gäste zusammen mit ein paar Ouzo einlullt. Gepaart mit dem fulminanten Sound seiner Kollegen wird die Mixtur jedoch turbulent und tanzbar.

Um das kulinarische Experiment noch verwegener zu machen, wechseln sich die zwei Stimmen der Band ab, die unterschiedlicher kaum sein können. MC Yinka springt aufgeregt über die Bühne und feuert das tanzende Publikum an, zu seinen Hip-Hop-Hymnen immer und immer wieder zu springen und sich dem Beat hinzugeben. Sängerin Rena Morfi sorgt bei eher traditionellen Liebesliedern für die nötigen Verschnaufpausen.

Imam Baildi sind so abwechslungsreich, wie die südeuropäische Küche und ihre energiegeladenen Konzerte ein absolutes Muss für Tanzwütige.

Solider Rock

Bei Betrachtung der unüberschaubaren Menge von Gitarren, Bässen und Schlagzeugteilen auf der kleinen Bühne des KFZ in Marburg ist die Richtung des Abends eigentlich schon recht klar vorgegeben. Rock!

Als Opener feiern die Hard-Rocker von Segard aus Nürnberg kräftig ab. Traditioneller Gitarrenrock mit harten Riffs und deutschen Texten. Frontmann Rob Scherret feuert die überschaubare Menge im Kulturladen an, als ob er im Wembley Stadium stehen würde. Da war ja heute Abend noch irgendeine Parallelveranstaltung, Ballsport, oder so was.

In Kanada zählen Jonas and The Massive Attraction zu den derzeitigen Top-Acts der Rockszene. Ihre Songs laufen jenseits des großen Teichs in den Top 10, bei Roxette spielten sie eine Supporttour in den Niederlanden und der WDR widmete ihnen eine Rocknacht. Live Out Loud heißt ihr aktueller Silberling, und der Name ist bei ihnen auch Programm.

Frontmann Jonas Tomalty ist vom Typ Schwiegermutters Liebling und könnte in seinem engen Hemd und schulterlangen schwarzen Locken auch italienische Schmachtfetzen in der Schlagerparade von sich geben. Glücklicherweise hat er sich für die härtere Gangart entschieden. Emotionsgeladen brüllt er nach bester Rockstarmanier ins Mikro und prügelt seine Telecaster dabei windelweich. Gitarrist Corey Diabo verausgabt sich dazu in ausufernden Soli jenseits des zwölften Bundes, passendes Gepose inklusive. Mit harten Rockkrachern heizen sie dem Publikum ein, ihre Balladen machen sie charttauglich für die Masse.

Die Fans sind begeistert und lassen sich von der Bühnenpräsenz der Kanadier mitreißen, deren Tourenplan auch Kopenhagen, Hamburg oder München beinhaltet. Jonas and The Massive Attraction sind mit ihrem Mainstream-Rock mit teils härterer Gangart auch in Europa weiter auf dem Vormarsch. Ihr Sound ist solide Hausmannskost für Anhänger von Nickelback bis Stones. Hoffentlich versinken sie mit zunehmendem Erfolg nicht im tiefen Sumpf des Mainstream.

von Jan Bosch

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