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Besinnungsloses zum Fest

Tim Boltz Besinnungsloses zum Fest

„Oh Pannenbaum“ statt „Oh du Fröhliche“: Der ganz normale Weihnachtswahnsinn war Thema der Musik-Kabarett-Show, die Tim Boltz präsentierte. Dem Publikum hat es gefallen.

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Quelle: unknown

Marburg. Das wird ein etwas anderer Weihnachtsabend“, erklärt Tim Boltz (Foto: Betina Preussner) gleich zu Anfang der Show vor rund 100 Zuschauern und kündigt ein Musik-Literatur-Programm an. Mit einem flotten Song startet er in den Abend, begleitet von „Rauschgold-Engel“ Corinna Fuhrmann am Piano. „Dieses Weihnachtsgefeier geht mir tierisch auf die Eier“, singt er da zur Melodie von „Let it snow“ und bringt dann alles aufs Tablett, was viele sicher so ähnlich schon einmal erlebt haben - wissendes Nicken und Gemurmel macht im Publikum die Runde.

Tim Boltz nimmt den Wahnsinn des Alltäglichen aufs Korn, das ist seine Spezialität. Da schaut er ganz genau hin, und die meiste Zeit ist das auch ziemlich witzig. Streitthema Nummer eins sei ja immer der Kauf des Weihnachtsbaums, erzählt er. Am Heiligabend muss noch schnell ein Christbaum her, aber es reicht nur noch für den „Quasimodo der Tannenbäume“, den bisher keiner haben wollte. Das überteuerte Gewächs verliert schon nach fünf Minuten 70 Prozent seiner Nadeln und muss mit implantierten Zweigen etwas aufgehübscht werden. Aber es hilft alles nichts, bald steht der arme Baum nackt und bloß mitten in einem großen Nadelhaufen.

Das Weihnachtsessen sei auch immer ein heikles Thema, so der Kabarettist weiter. Die Frage, ob die Gans okay sei und die Sauce sämig, werde schnell zur Entscheidung über Krieg und Frieden in der Familie. Am Ende weint Mutter in die Töpfe, der Junge spuckt ins Bett und der Hund hebt genüsslich das Bein am Tannenbaum.

Auch das Aufstellen der Krippe sei nicht so einfach, fährt Boltz fort. Jedes Jahr müsse man feststellen, dass das Wichtigste abhanden gekommen ist - das Jesuskind nämlich. Da wird schnell klar, dass ein passendes Plagiat her muss. Das kann dann wahlweise eine Spielfigur­ von Asterix, ein „Happy Hippo“ oder eine Figur aus Wein-gummi sein, je nachdem. Schwierig wird es nur, wenn der Dorfpfarrer plötzlich zu Besuch kommt.

Ganz lustig war auch die Idee einer Weihnachtsreise nach Wien, in der der Kabarettist die süßliche Gemütlichkeit in der Stadt und den öligen Wiener Schmäh aufs Korn nimmt. Am Ende wurde sogar noch ein bisschen unterm Seppelhut gejodelt.

Der Humor von Tim Boltz ist nicht besonders bissig und tut keinem weh, der Musikkabarettist punktet vielmehr mit leisen Tönen und feinen Beobachtungen. Die Zuschauer hatten trotzdem ihren Spaß in der Waggonhalle und dankten dem Künstler mit viel Applaus.

von Bettina Preussner

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