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Besinnlichkeit und Humor vereinen

Lesung: Sebastian Koch Besinnlichkeit und Humor vereinen

Von Hollywood nach 
Marburg: Schauspieler 
Sebastian Koch kommt diesen Mittwoch zu einer weihnachtlichen Lesung in 
die Elisabethkirche.

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Der Schauspieler Sebastian Koch kommt zu einer weihnachtlichen Lesung nach Marburg.

Quelle: Facundo Arrizabalaga

Marburg. In seinen Filmen spielt er oft die Bösewichte,­ wenn Sebastian Koch nach ­Marburg kommt, wird‘s stattdessen besinnlich. Am 7. Dezember um 18.30 Uhr ist der Starschauspieler in der Elisabethkirche und liest aus seinem Weihnachts-Hörbuch „Und lauscht hinaus den weißen Wegen“.

Darin hat Koch ein vielfältiges, weihnachtliches Programm zusammengestellt mit poetischen Werken etwa von Rainer Maria Rilke, Hanns Dieter Hüsch, Axel Hacke und Gerhard Polt. Dazwischen ertönt weihnachtliche Chormusik. Mit diesem Programm ist Koch drei Wochen lang in neun ausgewählten Kirchen unterwegs – und auch die „wunderschöne“ Elisabethkirche gehört dazu.

Ironische Sicht des „Wahnsinns“

Kirchen, das sind für den gläubigen Schauspieler ganz besondere Orte. „Dort wird allein über den Raum schon eine besondere Stimmung erzeugt“, schwärmt er. „Ich bin sehr christlich aufgewachsen, habe es als Kind aber nie erleben dürfen, dass in der Kirche einmal gelacht oder geklatscht wurde“, erinnert sich Koch im Gespräch mit der OP. „Oft ist mir das einfach zu ernst, denn Weihnachten ist ja eigentlich ein Fest der Freude“.

Die Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes, mit Humor zu garnieren, ist daher das erklärte Ziel seiner Lesung. Der 54-Jährige möchte Weihnachten und den „kommerziellen Wahnsinn“ drumherum aber auch ein wenig „kritisch und ironisch“ betrachten.

„Wenn man erwachsen wird, stellt man so nach und nach fest, dass der Konsumgedanke in Bezug auf das Weihnachtsfest immer mehr in den Vordergrund rückt und viele entfernen sich immer mehr davon, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Ich persönlich habe mich dem Fest über meine Tochter wieder angenähert, denn Weihnachten ist auch ein Familienfest“, sagt Koch, der Weihnachten auch diesmal wieder im Familienkreis verbringen wird.

Bei all den Rollen im Kino und im Fernsehen, freut er sich, bei den Lesungen einmal etwas mit direktem Publikumskontakt zu finden. „Ich spiele inzwischen nur noch wenig Theater – und diese Lesungen sind so eine Art Ersatz dafür“, erklärt er. „Ich ­liebe es, mich in meiner Muttersprache ausdrücken zu können. Beim Vorlesen besteht die Kunst darin, sich die Zeit zu nehmen und Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen zu lassen. Es macht einfach viel Spaß, dabei auf das Publikum direkt reagieren zu können.“

Untaten aus ver-rückter Sichtweise heraus

Wichtig sei – bei allem was er tue – dass ein persönlicher ­Bezug zu ihm da sei. Das ­gelte für die Weihnachtslesungen ebenso wie für die Rollen, die er annimmt. „Beim Schauspielen mag ich vor allem Rollen, die weit von mir weg sind“, verrät Koch. Die besten Filme, an denen er beteiligt war, seien vermutlich „Das Leben der Anderen“, „Black Book“ oder „Bridge of Spies“ gewesen. Seine Lieblingsrolle aber war „Der Seewolf“. „Ein Mann, der in der ­Lage ist, Menschen mit bloßen Händen zu töten – sich das zu erarbeiten war hochspannend und hat mich sehr gereizt“, erklärt der Schauspieler seine ­Vorliebe für die schwierigen Rollen.

Zuletzt spielte Koch in „Nebel im August“ unter anderem einen Arzt, der sich am Euthanasieprogramm der Nazis beteiligte. „Das Faszinierende an diesen Unmenschen ist, deren Logik dahinter zu verstehen. Meist sind das ja Menschen, die etwas aus ihrer Überzeugung heraus getan haben. Auch wenn sie dabei eine völlig, im wahrsten Sinne des Wortes, ver-rückte Sichtweise haben. Was dieser Arzt getan hat, war unmenschlich, aber aus seiner Sicht der Realität war es für ihn richtig und wichtig“.

Nun darf es zur Abwechslung wieder etwas Fröhlicheres sein. In den Vereinigten Staaten hat Koch einmal einen Gospel-Gottesdienst in einer Kirche gesehen: „Da feiert man richtig und singt und lacht und tanzt in der Kirche“, sagt er. „Das ist etwas, was mir hier ein wenig fehlt“. Vielleicht aber gelingt ihm das – zumindest ein Stück weit – in der Elisabethkirche. „Es soll kurzweilig, besinnlich und humorvoll sein“, sagt er. „Ich hoffe, dass die Leute nachher nach Hause gehen und sagen: Das war ein ganz besonderer Abend“.

von Peter Gassner

 
 
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