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Beseeltes Spiel im Geiste Mozarts

Kammerphilharmonie Amadé Beseeltes Spiel im Geiste Mozarts

Eigentlich sollte der 1990 nach Berlin geflohene russisch-jüdische Pianist Anatol Ugorski sein Marburg-Debüt geben. Doch der 73-Jährige sagte ab. Martin Stadtfeld sprang am Sonntag für ihn ein.

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Die Kammerphilharmonie Amadé spielte auf Einladung des Konzertvereins im Audimax.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Martin Stadtfeld war beim Konzertverein seit 2007 bereits dreimal zu Gast – immer mit Bach-Solo-Abenden. Am Sonntag musizierte der 35-jährige Star-Pianist erstmals gemeinsam mit einem Orchester in Marburg und keinen Bach, sondern Wolfgang Amadeus Mozart. Diesem Komponisten hat sich die Kammerphilharmonie Amadé besonders verpflichtet, wie ihr Name sagt. Mozart selbst hat sich nie Amadeus, sondern Amadé geschrieben.

Und das Mozart-Spiel des 1997 ins Leben gerufenen Orchesters ließ im Audimax keine Wünsche offen. Es war kein historisierendes Musizieren, das die 20 jungen Musikerinnen und Musiker dem Publikum boten. Ihr Gründer und Leiter, der gut eine Generation ältere Frieder Obstfeld, der sich den legendären Salzburger Mozart-Dirigenten Sándor Végh zum Vorbild genommen hat, führte das Ensemble zu einer so beseelten wie ausdrucksvoll sprechenden Wiedergabe.

Mozart-Spiel hinterlässt zwiespältigen Eindruck

Dies gleich in der einleitenden D-Dur-Sinfonie KV 81 des 14-jährigen Wunderkindes mit ihren Seufzermotiven im langsamen zweiten Satz und ihrer frischen Jagd-Thematik im Finale. Im kammermusikalisch fein ausgefeilten Dialog mit der Konzertmeisterin Phoebe Rosochaki wurde auch Mozarts C-Dur-Rondo KV 373 für Violine und Orchester zum Hörgenuss.

Was die Kammerphilharmonie Amadé und ihren mit beiden Händen beredt den Klang formenden Dirigenten angeht, gilt dies auch für Mozarts Es-Dur-Klavierkonzert KV 271. Stadtfelds Mozart-Spiel hingegen hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.

Dass er zu Beginn des Kopfsatzes beim überraschenden Aufeinanderprallen von Orchester und Klavier patzte, ihm auch weitere Fehlgriffe unterliefen – Schwamm drüber. Das ist eben live, und es ist vor allem Mozart, bei dem man jeden Fehler hört. Aber Stadtfelds „Jeu perlé“, die für Mozart-Pianisten unabdingbare perlende Artikulation, wirkte gelegentlich zu unscharf, und zeitweise setzte er in den beiden schnellen Ecksätzen auf einen ruppigen Ton, der so gar nicht zum kultivierten Klang des Orchesters passen wollte.

Stadtfeld kehrt als Klavierpartner zurück

Versöhnlich stimmte allerdings Stadtfelds Wiedergabe des c-Moll-Mittelsatzes, wo er die unsagbare Trauer, den Fatalismus mit seinem modulationsreichen Spiel eindringlich Klang werden ließ – bis hin zur gedankenschweren eigenen Kadenz, die wie eine Beethoven-Fantasie über Mozart wirkte. Nicht umsonst gilt ja das Andante aus Mozarts erstem großen Klavierkonzert als Vorbild für den langsamen Satz in Beethovens G-Dur-Klavierkonzert. Das Publikum feierte Stadtfeld mit langanhaltendem Beifall und Bravo-Rufen und erhielt dafür als Zugabe eine Chopin-Etüde.

Wie der Pianist im Gespräch mit der OP sagte, wird er in der kommenden Saison wieder in Marburg zu Gast sein – dann als Klavierpartner des Münchener Streichquartetts im f-Moll-Quintett von Brahms, bestätigte der Vorsitzende des Konzertvereins, Dr. Friedemann Nassauer.

Die Kammerphilharmonie Amadé ist nicht nur in der Klassik zu Hause, auch in der Romantik. Mit seidig-sattem Sound und mitreißender Musizierfreude spielten die 16 Streicher die melodienselige C-Dur-Serenade op. 48 des Mozart-Verehrers Peter Tschaikowsky und beschlossen damit den Schwerpunkt, den der Konzertverein dem russischen Meister in dieser Saison gesetzt hat. Und weil die 535 Zuhörer nicht aufhören wollten zu applaudieren, durften sie den wundervoll leicht vorbeischwebenden Walzer ein zweites Mal hören.

von Michael Arndt

 
Als Solist kurzfristig eingesprungen war der Starpianist Martin Stadtfeld. Foto: Michael Hoffsteter
 
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