Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Beschwingter Frühlingsspaziergang

Konzert Beschwingter Frühlingsspaziergang

Uwe Maibaum führte seinen Chor, die Frankfurter Sinfoniker und das Solistenterzett in der Lutherischen Pfarrkirche zu einer meisterhaften Wiedergabe, die vom Publikum im Stehen gefeiert wurde.

Voriger Artikel
Zum Ferienstart gibt es Musik satt
Nächster Artikel
Einhellige Freude über Auszeichnung

Die Kurhessische Kantorei führte am Sonntag in der vollbesetzten Pfarrkirche Joseph Haydns „Die Schöpfung“ auf.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es hat nicht sollen sein. Eigentlich wollte die Kurhessische Kantorei ihre „Schöpfungswoche“ unter freiem Himmel beschließen. Aber der Himmel hatte kein Einsehen, und zumindest das Wetter kann sich der Mensch nicht untertan machen.

So erklang Joseph Haydns Meisteroratorium „Die Schöpfung“ am Sonntag nicht auf der Schlossparkbühne, sondern in der Lutherischen Pfarrkirche. Was der guten Laune, die alle Mitwirkenden sicht- und vor allem hörbar ergriffen hatte, keinen Abbruch tat. Und der Funke sprang über auf die Zuhörer im voll besetzten Kirchenschiff und auf der Empore – nur das Seitenschiff blieb leer.

Für diese gute Laune verantwortlich war in erster Linie der Komponist, der in seiner bildkräftigen, von Altersweisheit und kindlichem Staunen zugleich zeugenden Vertonung der biblischen Schöpfungsgeschichte nicht nur die Summe seines schöpferischen Wirkens gezogen, sondern am Ende der Wiener Klassik das Tor ganz weit aufgestoßen hat in die Romantik.

Für gute Laune sorgte aber auch Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum. Er dirigierte quasi einen heiter-beschwingten Frühlingsspaziergang, dem sich alle Mitwirkenden bereitwillig anschlossen. Dabei hatte Maibaum nicht nur die leuchtende Schönheit des Ganzen im Auge, sondern richtete den Blick auch auf die funkelnden Juwelen am Wegesrand.

Hingebungsvoll feilten unter seiner präzisen und animierenden Stabführung die klangschön und kontraststark musizierenden Frankfurter Sinfoniker am Detail, wobei die wunderschön aufblühenden, ungemein sprechenden Holzbläser die Glanzlichter setzten.

Aber auch die Kurhessische Kantorei verfügte mühelos über ein breit gefächertes Ausdrucksspektrum, das vom staunenden Raunen bis zum lobpreisenden Jubelton bewegte und begeisterte. Dass zeitweise die Tenöre und Bässe ins Hintertreffen gerieten, lag am Kräfteverhältnis von Männer- zu Frauenstimmen, das bei schätzungsweise eins zu drei lag – womit auch mangels Nachwuchs andere Laienchöre zu kämpfen haben.

Das ist in der „Schöpfung“ eher zu verschmerzen als in romantischen Oratorien, zumal Haydn in seinem Meisterwerk den vokalen Löwenanteil ohnehin den Solisten übertragen hat.

Und da hatte Maibaum ein Terzett verpflichtet, das nicht nur untereinander harmonierte, sondern auch mit dem vom Dirigenten favorisierten schlanken, transparent aufgefächerten Chor- und Orchesterklang. Simone Schwarks feiner Sopran ließ mühelos die Koloraturen funkeln und bezauberte mit mädchenhafter Zartheit, Achim Kleinleins heller Tenor überzeugte gleichermaßen mit abstufungsreicher Lyrik und glänzender Beweglichkeit, Jens Hamanns kerniger Bariton schöpfte geradezu verschwenderisch aus der an Piano-Nuancen reichen Kunst eines Liedsängers, setzte aber auch, ohne zu übertreiben, opernhafte Akzente.

Ein Kabinettstück gelang Hamann und Schwark, als Adam Eva auffordert, ihm nachzufolgen. Da musste man unweigerlich an Mozarts Don Giovanni denken: Wie dieser die Bäuerin Zerlina zu verführen sucht.

Im Schlusschor erweiterte die Altistin Tanja Weiß-Fenner das Solistenterzett zum Quartett, bevor das zeitweise atemlos zuhörende Publikum seiner Begeisterung durch nicht enden wollenden Beifall im Stehen Ausdruck gab.

von Michael Arndt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr