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Berührendes, wahres Schicksal

Philomena Berührendes, wahres Schicksal

Eine junge Frau wird schwanger. Weil sie unverheiratet ist, wird sie im Kloster versteckt und ihr Sohn zwangsweise zur Adoption freigegeben. Diese Geschichte erzählt der Film "Philomena".

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Mit Hilfe des Journalisten Sixsmith (Steve Coogan, rechts) sucht Philomena (Judi Dench) ihren Sohn, den sie vor 50 Jahren in einem irischen Kloster abgeben musste.Foto: Alex Bailey/Universum

Quelle: Alex Bailey

Marburg. Unverheiratet und schwanger - das war im streng katholischen Irland vor einigen Jahrzehnten noch eine moralische Katastrophe. Man löste das Problem, indem die Frauen bis zur Niederkunft in ein Kloster gesteckt wurden. Nach der Geburt arbeiteten sie dort ihre Schuld ab und wurden oft gezwungen, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Der Film „Philomena“ setzt so einer Mutter ein Denkmal. Das Drama mit einer wunderbaren Judi Dench in der Hauptrolle erzählt die wahre Geschichte einer Irin, die ihren Sohn auf diese Weise verliert und die ihn 50 Jahre nach der Geburt wiederfinden will. Stephen Frears hat aus dem auf einer wahren Begebenheit beruhenden Buch des Journalisten Martin Sixsmith eine herzzerreißende, packende Tragikomödie inszeniert, die trotz aller Tragik viele komische und versöhnliche Seiten hat und zurecht Chancen auf einen Oscar hat.

Zu verdanken ist der Film vor allem dem Schauspieler Steve Coogan. Ein Zeitungsartikel hatte ihn auf das Buch von Sixsmith aufmerksam gemacht. Bald stand für ihn fest: Der Stoff muss verfilmt werden. Coogan schrieb mit Jeff Pope das Drehbuch und wurde einer der Produzenten. Und natürlich spielte er auch mit - auch wenn sein Metier sonst eher komische Rollen sind. Als Sixsmith macht er sich mit Philomena auf, um deren verschollenen Sohn zu finden. Ihr Weg führt sie in das Kloster Roscrea. Doch dort weiß niemand mehr, was mit Anthony passierte, nachdem er mit drei Jahren adoptiert worden war. Über einen Barkeeper finden sie dann doch noch eine Spur, die sie nach Amerika führt.

Dench und Coogan bilden ein wunderbares Paar - sie ist eine simple Krankenschwester, die sich an Liebesromanen ergötzt. Coogan dagegen gibt den zynischen Zweifler, der die alte Dame anfangs ziemlich skeptisch begleitet und bisweilen von ihrer naiven Art völlig genervt ist. Doch bald erkennt er, dass sich hinter ihrer schlichten Fassade eine zutiefst verletzte, herzensgute Frau verbirgt, die an ihrem Schicksal zu zerbrechen droht.

Zu überwältigend ist der Schmerz darüber, dass sie im Grunde genommen das falsche Leben gelebt hat. Ein Leben ohne Anthony, der als Kleinkind mit seinem Lächeln und seiner kindlichen Liebe tief in ihr Herz eingedrungen ist. „Ich möchte wissen, ob Anthony jemals an mich gedacht hat, wie ich an ihn gedacht habe jeden Tag“, fasst sie ihre Sehnsucht zusammen.

Der Film geht mit seinem Wechselbad zwischen Lachen und Weinen unter die Haut - vor allem, weil Dench mit ihrer faszinierenden Gabe für große Frauenrollen ohne jeden Pathos spielt. Dench wird dieser Aufgabe gerecht: Philomenas Schmerz ist roh, brutal und von ungeheurer Wucht, wie eine frisch aufgerissene Wunde. Und trotzdem will diese kleine, einfache Frau nicht hassen, schon gar nicht die Klosterschwestern, die ihr das Leid zugefügt haben. Und die stur darauf beharren, dass sie nichts über Anthonys Schicksal wissen.

von Cordula Dieckmann

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