Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Berührendes Sozialdrama über „Zwangs-Rentner“

Kinostart: „Ich, Daniel Blake“ Berührendes Sozialdrama über „Zwangs-Rentner“

Wieder einmal prangert der britische Regisseur ­Loach soziale Missstände an. Sein jüngstes Drama erzählt vom aussichtslosen Kampf eines Handwerkers, der in die Armut ­abzurutschen droht.

Voriger Artikel
Stark besetztes Drama „Deep Water Horizon“
Nächster Artikel
Die Aliens kommen diesmal ganz still

Daniel (Dave Johns, links) macht mit einem Graffiti öffentlich auf seine Probleme aufmerksam.

Quelle: Prokino

Ken Loach ist so etwas wie die kritische Stimme Großbritanniens. Auch mit 80 Jahren verspürt Loach noch immer eine gewisse Wut und hat seinen Kampfgeist nicht verloren – mit „Ich, Daniel Blake“ legt er jetzt erneut ein erschütterndes Werk über gravierende Ungerechtigkeiten im modernen England vor. Beim Filmfestival Cannes gab es dafür in diesem Jahr die Goldene Palme.

Daniel Blake ist Ende 50. Sein Leben lang hat der Witwer hart als Schreiner gearbeitet. Nach einem Herzinfarkt aber ist er nun schwer krank und braucht zum ersten Mal staatliche Unterstützung. Damit beginnt sein aussichtsloser Kampf mit den Behörden. Sie legen ihm immer neue Steine in den Weg, fordern immer neue Angaben und zögern so die Zahlung des Arbeitslosengeldes hinaus.

Loach gesellschaftliche Missstände auf

Der Mann droht in die Armut abzurutschen. Bei einem seiner Behör­dengänge trifft Daniel auch ­Katie. Die junge Frau ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und wurde vom Sozialamt gezwungen, in den heruntergekommenen Sozialbau in einer ihr fremden Stadt zu ziehen. Daniel und Katie freunden sich an, helfen sich gegenseitig und werden so etwas wie eine ­Ersatz-Familie.

Sehr eindringlich zeigt Ken ­Loach die Missstände in seiner Heimat auf – und schlägt sich eindeutig auf die Seite der Benachteiligten. Er erzählt, wie Arme immer ärmer und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, auch wenn sie sich um einen Job bemühen. Wie schon ihre Kinder keine wirkliche Chance im Leben haben. Und wie sie immer mehr in die Mühlen der­ 
Bürokratie geraten und am Ende sogar ihre Würde verlieren.

„Ich, Daniel Blake“ wirkt dabei fast wie eine Dokumentation, so realistisch inszeniert Loach sein Drama. Dazu tragen auch die herausragenden Darsteller bei.

Drehbuchautor Paul Laverty, mit dem Loach schon häufig zusammenarbeitete, recherchierte für das Werk viel und sprach mit zahlreichen Betroffenen. Es sei schockierend zu sehen, dass hinter all dem ein System stecke, sagte er beim Filmfest Cannes. „Das sind keine Einzelfälle.“ Von Sparmaßnahmen seien vor allem die sozial Schwachen betroffen.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Kammer.

von Aliki Nassoufis

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr