Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Berühren, benutzen, interagieren

Öffentliche Kunst Berühren, benutzen, interagieren

„Die haben so ein bisschen den Charme eines Fabrikgeländes“, findet Eva Mohr, während sie die rot-weißen Fahnen an der Lahn betrachtet. Die Rechtsreferendarin hat dort ein ruhiges Plätzchen direkt neben der Installation „Westwind“ gesucht.

Voriger Artikel
Der Hofnarr des tagespolitischen Irrsinns
Nächster Artikel
Die Kunst, Striche spazieren zu führen

Das „Alpha und Omega-Boot".

Quelle: Ruhaas/Tscherna

Marburg. Sieben Masten mit rot-weißen Windtüten erhalten von einer feststehenden Flüstertüte einen Befehl – so zumindest versteht die Künstlerin Katrin Magens ihr Werk. Eva Mohr findet für die sieben Windfahnen spontan keine Erklärung: „Kunst muss aus sich heraus zu verstehen sein, wenn man eine Anleitung braucht, ist das Ziel meiner Meinung nach verfehlt.“ Ihr fallen vor allem die Verwitterungserscheinungen des Materials auf. Rost hat sich an den Masten festgesetzt, die Windtüten sind zerrissen und verblichen. „Die Windfahnen sehen einfach traurig aus, vielleicht sollte man sie erneuern.“ Die Installation „Westwind“, das Boot, das in der Propsteigasse in der Treppe versenkt ist oder der „Hoffmanns Lieschen“-Brunnen am Erlenring – wo man in Marburg auch hinblickt, überall sind Kunstwerke verstreut. Manche springen dem Betrachter direkt ins Auge, andere kann man erst auf den zweiten Blick als Kunstwerke identifizieren. Wieder andere werden einfach übersehen – ein Indiz dafür, dass sich viele Kunstwerke harmonisch in das Marburger Stadtbild einfügen oder aber auch zur Gewohnheit werden. „Wenn man immer daran vorbeigeht, sieht man die Kunstwerke irgendwann nicht mehr“, meint Eva Mohr.

Manchmal werden andere Kunstwerke zweckentfremdet – wie das Boot in der Propsteigasse.Dort sind der Bug und das Heck eines Schiffes in den Treppenstufen versenkt. Es besteht aus Metall, dass von Rost schon überzogen ist. Man weiß nicht, ob das Boot steigt oder gleich sinkt. „Alpha und Omega“ heißt das im Jahr 2003 installierte Kunstwerk von Inga Rusz. Im unteren Teil des Bootes sollte sich eigentlich Wasser befinden. Stattdessen ist er übersät mit Zigarettenstummeln. Kulturbanausen? Im öffentlichen Raum gibt es keine Vorschriften, was den Umgang mit den Kunstwerken angeht. Was im Museum nicht möglich ist, wird im hier zur Selbstverständlichkeit. Berühren, benutzen, interagieren.

von Ragna Ruhaas und Désirée Tschernatsch

Mehr zu diesem Thema lesen sie in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr