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Beifallsstürme belohnen Interpreten

Collegium musicum Beifallsstürme belohnen Interpreten

Georgi Kalaidjiev hatte ein Programm mit westlicher und östlicher Kirchenmusik arrangiert. 130 Besucher in der Stadtkirche lauschten rund zwei Stunden lang der Musik, um am Ende alle Akteure mit Ovationen zu feiern.

Stadtallendorf. Obwohl sinnvoll, waren mit über 20 Minuten die Vorstellungvon Soonyoun Yoo als neue Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde und Leiterin der evangelischen Sing- und Musikschule sowie die Erläuterungen von Ingeborg Schmidt, Vorsitzende des Collegium musicum, zu Komponisten, Werken, Akteuren, Solisten und Programmänderungen viel zu lang.

Dafür war das Konzert abwechslungsreich, spannend, emotional, frisch und farbig. Man hatte sich auch nach 115 Minuten Musik nicht satt gehört. Das spricht eindeutig für die Werke und die künstlerische Ausführung.

Frantisek Xaver Brixis „Concerto I“ war ein genussvoller Auftakt: Perlendes Spiel des Organisten Volkmar Krafft sowie klarer Klang bei frischem Spiel des Collegium musicum Stadtallendorf in den Allegro-Ecksätzen. Dazu eine feinsinnige Interpretation des Andante in weichem tonalen Fließen und präziser Akkordik im Wechsel von Orchester und Orgel.

Schön, dass Marion Clausen kurzfristig für eine erkrankte Kollegin einsprang und drei Bach-Arien sang. Sie erfreute wieder mit ihrem hellen, klaren und zugleich geschmeidigen Sopran. Clausen glänzte mit inniger Textausdeutung und fein gegliederten Koloraturen, deren Genuss minimale Unsicherheiten nicht wirklich trübten. Es entwickelte sich ein faszinierendes Miteinander der Sopranistin und einem glanzvollem Spiel des Orchesters mit Peter Sanders auf der Solo-Oboe und Cornelia Heymann als Solo-Cellistin.

Georgi Stratev hatte Peter Danovs Lieder der weißen Bruderschaft für das Collegium musicum instrumentiert. Stratev dirigierte das Orchester sowie die Vokalsolisten, den Bass Aleksey Ivanov und die Sopranistin Marion Clausen. Er scheute nicht bei Ungenauigkeiten eines Werkes dessen Neubeginn.

Ivanov sang leidenschaftlich mit großem Stimmumfang und hoher Dynamik, zart mit Herz und Seele in fließendem Legato zu stimmungsvollen Klangbildern des Collegium musicum Stadtallendorf.

Marion Clausen sang mit ergreifender Schönheit in der Stimme und sensibler Ausdeutung zu einem in ungewohnten Klängen schwelgendem Collegium musicum, ergänzt mit feinem Harfenspiel von Rita Schäfer, der zarten Solo-Violine von Manfred Wollersheim und weichem Schmelz in intensivem Geigenspiel Georgi Kalaidjievs.

Der Kammerchor der Musikschule Gießen unter der Leitung von Gabriele Tasnadi sang anfangs spröde, um sich mit feinfühliger Unterstützung des Collegium musicum Stadtallendorf zu harmonischem Ensembleklang zu vereinen. Tasnadi hatte Lieder aus Russland, Rumänien, Deutschland und Israel ausgewählt, von denen das freudige „O ce veste minunata“, der ergreifende Doppelchor bei „Die Könige“ und das „Tebje Pajom“ in bewundernswerter Schlicht- und Schönheit in Erinnerung bleiben. Emotionale Glanzpunkte waren „Mnogaia Leta“ im Wechselgesang von Chor und Gemeinde sowie das israelische „Ani Ma àmin“.

Beifallsstürme des Publikums zauberten sichtbar Freude auf die Gesichter aller Musiker.

von Helmut Rottmann

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