Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Bei Nichtgefallen „in die Fresse hauen“

Komiker Kay Ray in der Waggonhalle Bei Nichtgefallen „in die Fresse hauen“

Dieser Mann schreckt vor nichts zurück. Und ja, Kay Ray ist respektlos, geschmacklos, anstrengend. Aber er ist auch clever und sehr, sehr witzig.

Voriger Artikel
„Georg Elser war ein Held“
Nächster Artikel
Mit Musik eintauchen in fremde Kulturen

Immer haarscharf an der Grenze: Der schrille Entertainer Kay Ray trat in der Waggonhalle auf.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Ganz harmlos startet der schräge Paradiesvogel in der ausverkauften Waggonhalle seine Show: Er trällert ein paar Popsongs, sehr gekonnt, sehr ausdrucksvoll, sehr schön, und das trotz Erkältung. Dann holt er Bier und Kippen raus, qualmt wie ein Schlot und legt so richtig los. Regeln sind dem Mann ein Gräuel, political correctness ist ihm völlig schnuppe. Kay Ray redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

„Wenn Ihnen mein Humor nicht gefällt, können Sie mir ja in der Pause in die Fresse hauen“, sagt er gleich zu Anfang. Aber es scheint niemand dazu Lust zu haben, im Gegenteil, die Zuschauer sind begeistert von dem schrillen Typen mit dem sehr speziellen Humor.

Die Regelverletzung ist bei Kay Ray Prinzip, er schippert die ganze Zeit haarscharf an einer Grenze lang und oft auch darüber hinaus. Aber er macht dies fröhlich und sehr gekonnt, mit seiner ungeheuren Energie und seinem Charme reißt er sein Publikum mit.

Sex ist für ihn ein Thema, bei dem man kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Alles wird erörtert, bis ins kleinste Detail. Dabei macht der Entertainer keinen Hehl aus seiner Bisexualität, erzählt von schönen Männern und Frauen, von seiner Ehefrau und seinen zahlreichen männlichen Geliebten.

Wann kommt die Nachrichtensprecherin mit Kopftuch?

„Was darf Satire?“, fragt Kay Ray weiter scheinheilig, und gibt sich die Antwort gleich selbst: alles oder nichts. Er darf anscheinend alles, so sein Credo. Auch über den Flugzeugabsturz in den Alpen Witze machen. Wenn er das nächste Mal fliegt, erzählte er freimütig, gibt er gleich eine Packung Antidepressiva und eine Flasche Whiskey im Cockpit ab. Dann könne nichts mehr passieren.

„Wer ist eigentlich bekloppt, die Welt oder ich?“, überlegt er weiter. Und ereifert sich über das radikale Rauchverbot in der Öffentlichkeit. „Aber fressen dürfen wir alle, soviel wir wollen“, schimpft er und zeigt sein rundes Bäuchlein unter dem T-Shirt. Dann hängt er sich ein Handtuch über den Kopf und prophezeit: „Gewöhnen Sie sich schon mal an diesen Anblick. Bald gehört die muslimische Nachrichtensprecherin zum gewohnten Bild im Fernsehen.“

Der Entertainer verschont niemanden in seiner Show. Er witzelt über Helene Fischer und Heino, über Deutsche und Griechen, über Ossis und Wessis, über Merkel und die Queen. „Jetzt fehlen nur noch Schwarze und Behinderte“, meint er sarkastisch. Und kalauert über einen Rollstuhl-Fahrer, der einen „coffee to go“ bestellt. Komisch? Die Zuschauer in der Waggonhalle fanden schon und feierten den Komiker mit stürmischem Beifall.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr