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Bastard-Pop gegen Stil-Faschismus

Konzert Bastard-Pop gegen Stil-Faschismus

Rainer von Vielen ist nicht einer von vielen. Das musikalische Multitalent aus Kempten zeigte in der Waggonhalle, warum er ein Unikat in der deutschsprachigen Musikbranche ist.

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Multitalent Rainer von Vielen gastierte gleich mit zwei sehr unterschiedlichen Bands in der Waggonhalle.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Seine beiden Bands - in beiden ist er der Frontmann und eine trägt seinen Namen - unterstützten ihn nach Leibeskräften. Allen voran Gitarrist Mitsch Oko, der in der vierköpfigen Band Rainer von Vielen spielt und für sich und seine Kumpane proklamiert, Bastard-Pop zu fabrizieren.

„Einordnen kann man uns musikalisch nicht. Unsere Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen und daraus basteln wir etwas, das nicht klassifizierbar ist“, erklärte der Mann aus dem Allgäu in der Waggonhalle. Es sei die bandeigene Art, sich gegen „Stil-Faschismus“ zu wenden. „In der Musikbranche wird zu viel kategorisiert und das geht bei den Fans zum Beispiel mit uniformem Kleidungsstil einher. Fragen wie, was ist echter Rap oder echter Rock interessieren uns nicht“, unterstrich Mitsch Oko.

Sozialkritische und politische Texte dominierten bei der Band. Dabei gab sie vor allem Songs von ihrem im Februar dieses Jahres erschienenen Album „Überall Chaos“ zum Besten. Highlight war Rainer von Vielen mit seinem ganz eigenen Stil: einer bemerkenswerten Mischung aus tiefem und hohem Obertongesang. Durch das Überschwingen seiner Stimmbänder produzierte er Töne auf einer Stimmlage, die eher tibetanischen Mönchen zugeschrieben werden.

Durch den Raum hüpfende Menschen in regenbogenfarbenen Gewändern drifteten wie Atomteilchen durch den mal dunkel, mal ganz grell erleuchteten Saal und steigerten den Konzertabend zu einem psychedelischen Sommertraum in geschlossenen vier Wänden. „Ich habe Rainer von Vielen schon einmal live gesehen und fand ihn total super. Daher bin ich extra aus Braunschweig angereist, um dabei zu sein“, sagte die 23-jährige Johanna Steffenberg, die tanzte, was das Zeug hielt.

Die Musik der sechsköpfigen Gruppe Orange war eine eigenwillige Mixtur aus Sprechgesang, Trance- und Weltmusik. Tausendsassa Rainer von Vielen trat als Rapper auf und zog als graue Klang-Eminenz im Hintergrund am Laptop die Fäden, dem er die elektronischen Musikelemente entlockte. Das wohl aufeinander abgestimmte Musik-Chaos rundeten markige Percussions und ein imposantes Didgeridoo ab, das sich mit seinem tiefen Sound exzellent in das archaische Gesamtbild einfügte. Besonders beim Tribal-Song „Bakalim“. Orange stützte sich vorrangig auf Songs von ihrem 2014 erschienenen Album „Oya“. Am Ende des Doppelkonzerts belagerten die Fans den Verkaufsstand der Band. CDs, Schallplatten und Fanartikel wechselten zu Dutzenden den Besitzer.

von Benjamin Kaiser

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