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Barockmusik auf Zack

Jahresabschlusskonzert Barockmusik auf Zack

Unter dem Motto „Stylus phantasticus“ präsentierten Martin Jopp, Anne Marie Dragosits und Christian Zincke Musik des Barocks und zeigten dabei, wie vielseitig und temporeich diese Epoche war.

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Gospel-Klassiker

Christian Zincke (von links), Anne Marie Dagosits und Martin Jopp bestritten das gelungene Jahresabschlusskonzert.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. „So schnell war ich noch nie“, erklärte Anne Marie Dragosits vor dem zweiten Stück des Programms. Doch sie meinte damit nicht ihr Spiel, sondern die Reparatur des blauen Cembalos, das von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum zur Verfügung gestellt wurde. Mit alten Instrumenten verhält es sich eben wie mit alter Musik selbst - sie muss gespielt werden. Während Dragosits schnell einen neuen Kiel schnitzte, erklärte sie die Spielmechanik des Cembalos, bei dem die Saiten durch Kiele angezupft werden.

Auch die beiden Stücke von Johann Jacob Froberger, die sie solo am Cembalo spielte und so der Klang des feinen Instrumentes wunderbar zur Geltung kam, moderierte sie mit interessanten Anekdoten an. So habe Froberger seine Suite in a-Moll komponiert, um sich von seiner Melancholie nach der unglückseligen Überfahrt nach England zu befreien. „Wenn wir das nur alle so machen könnten“, kommentierte Dragosits.

Kein Platz für Melancholie ließ auch das sonstige Programm des Jahresabschlusskonzerts im Hessischen Staatsarchiv. Die beiden Marburger Vereine der Musikfreunde, die jedes Jahr die Schlosskonzerte veranstalten, und der Geschichtsverein hatten dafür wieder hochkarätige Musiker gefunden. Bereits zum dritten Mal gastierte Christian Zincke beim Jahresabschlusskonzert mit seiner Viola da Gamba. Ebenfalls Mitglied des Main-Barockorchesters Frankfurt ist auch Martin Jopp, der zu den führenden Barockviolinisten zählt. Hervorragend aufeinander eingespielt, bewiesen die beiden Musiker wie gut sie sich kannten. So präsentierte sich Zincke mit seiner weichen, tiefen Viola da Gamba stets als passender Gegenpart zur hellen Geige Jopps.

Mühelose Wechsel und raffiniertes Spiel

Bei der „Sonata seconda à 2“ in d-Moll von Johann Philipp Krieger sprangen die drei Musiker beim letzten Satz, der „Aria d’inventione“ mit zehn Variationen, mühelos durch die verschiedenen Wechsel. Laut Jopp, der das Stück als Zugabe noch einmal ankündigte, ist die wunderschöne melodiöse Arie der Lieblingsteil der Musiker aus dem Programm. Auch bei der Sonata in B-Dur von Dietrich Buxtehude ließen die Musiker ihre Instrumente vor allem in den Tanzsätzen förmlich umeinander tanzen und bestachen mit einem einfachen und doch raffinierten Spiel.

Hier, wie auch in anderen Stücken des Programms, brillierte Martin Jopp mit rasend schnellen Läufen, die er sicher und mit einer scheinbaren Leichtigkeit interpretierte. So auch bei der zu Beginn erklungenen programmatischen „Sonata violino solo representativa“ in A-Dur von Heinrich Ignaz Franz Biber, bei dem Jopp lautmalerisch verschiedene Tiere von der singenden Nachtigall über den stolzen Hahn bis zur schleichenden Katze nachahmte.

Das gesamte Spektrum des Programms spiegelte sich in der Sonate „La guerra“ in A-Dur von Johann Paul Westhoff noch einmal wieder. Angefangen von einer schönen Kantilene Jopps über das kraftvolle Konzertieren der drei Musiker und wunderschönen Motiven in den Arien-Sätzen bis zum energischen „Guerre“-Satz und der tänzerischen Gigue zum Abschluss, bewiesen Martin Jopp, Anne Marie Dagosits und Christian Zincke noch einmal ihre Vielseitigkeit und die der barocken Musik. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit langem, kräftigem Applaus für das abwechslungsreiche Jahresabschlusskonzert.

  • Die neue Saison der Marburger Schlosskonzerte beginnt am Sonntag, 13. August, mit dem Main-Barockorchester Frankfurt ab 18 Uhr im Fürstensaal des Marburger Schlosses. Der Vorverkauf beginnt ab 1. März an den bekannten Vorverkaufsstellen.

Weitere Informationen unter www.marburger-schlosskonzerte.de

von Mareike Bader

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