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Barfuß und mit wilder Lockenmähne

Kristin Asbjørnsen Barfuß und mit wilder Lockenmähne

Gospel und Norwegen, dass passt erst mal nicht zusammen. Da denkt man eher an tanzende Kirchengemeinden in New Orleans oder die feucht-heißen Flussebenen Alabamas. Doch Gospel geht auch anders.

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Die skandinavische Gospel-Queen Kristin Asbjørnsen beeindruckte ihr Marburger Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Stimme.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Kristin Asbjørnsen ist keine Unbekannte. Die junge Norwegerin begeisterte am Freitagabend die Zuschauer im KFZ mit ihrer eigenen Interpretation traditioneller afroamerikanischer Spirituals.

Als Tochter eines Pfarrers bekommt Asbjørnsen schon während ihrer Kindheit einen Draht zu religiöser Musik, macht eine Ausbildung am Trondheimer Konservatorium und erbt irgendwann ein umfangreiches Songbook unbekannter Spirituals. „I‘ll meet you in the morning“ ist schon das zweite Werk, auf dem sie sich Liedern aus dieser Sammlung widmet.

Barfuß und mit wilder Lockenmähne tritt Kristin Asbjørnsen auf die Bühne und zieht die Zuschauer mit ihrer außergewöhnlich ausdrucksstarken Stimme sofort in ihren Bann. Die Arme wie zur Segnung weit geöffnet schwebt ihre rauchige Stimme bis in die hinterste Ecke des vollen Saales. Elemente von Jazz, Gospel und afrikanischer Musik verschmelzen zu einem abwechslungsreichen Mix, der unter die Haut geht.

Mit Olav Torget an der Gitarre, dem Bassisten Gjermund Silset und dem Percussionisten Rune Arnesen hat sie ein exzellentes Trio an ihrer Seite. Die meisten Stücke begeistern durch ihr schlichtes Arrangement. Dezent malt Arnesen mit Besen und Händen spannende Rhythmen auf seinen Trommeln, während Asbjørnsen sich dazu im Takt wiegt.

Publikum fordert mehrere Zugaben

Die Musiker stehen im ständigen Dialog miteinander. Mal versinkt die Sängerin in den Tiefen der Vibrato-Effekte, die Silset auf dem Bass erzeugt und nutzt den großen Tonumfang ihrer Stimme, um als viertes Instrument zu wirken. Gänsehaut garantiert. Verliert sich Torget mit schnellen Fingern in verträumten Melodien, setzt sie ihre raue Stimme als Kontrast dagegen. Jedem der Stücke hat das Trio eine eigene Note verliehen. Manchmal nordisch-melancholisch, manchmal fetzig und mitreißend, wie es die „Blind Boys of Alabama“ nicht hätten besser machen können.

Zurecht wird Asbjørnsen von der Kritikerzunft seit Jahren hoch gelobt. Auch beim Marburger Publikum löst die Norwegerin begeisterten und lang anhaltenden Beifall aus. Mehrfach kommen die Musiker zurück auf die Bühne, um noch einige Zugaben zu spielen.

Jan Bosch

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