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Barbarossa-Bezwinger küsst italienische Fahne und stirbt

Oper „Die Schlacht von Legnano“ Barbarossa-Bezwinger küsst italienische Fahne und stirbt

In keiner anderen seiner Opern zeigt sich Giuseppe Verdi so kompromisslos als Patriot wie in „La battaglia di Legnano“.

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Gießens Generalmusikdirektor Michael Hofstetter leitet das Orchester.

Quelle: Archiv

Gießen. Das begeisterte Publikum der römischen Uraufführung erkannte auf Anhieb in dem knapp sieben Jahrhunderte zurückliegenden historischen Stoff die eigene Situation:

Der lombardische Städtebund, der in der „Schlacht von Legnano“ den Stauferkaiser Friedrich Barbarossa in die Flucht geschlagen hatte, stand für die aufständischen italienischen Provinzen von 1849, die sich gegen die Österreicher stemmten.

Die nationalistisch-patriotische Ausrichtung dieser „Propaganda-Oper“ stand einem dauerhaften Erfolg jedoch bis heute im Wege – ungeachtet der Tatsache, dass Verdi sich als Musikdramatiker dort von seiner stärksten Seite zeigt, wie die mit Standing Ovations gefeierte konzertante Produktion am Stadttheater Gießen beweist.

Gießens Generalmusikdirektor Michael Hofstetter  betonte mit dem außerordentlich differenziert musizierenden Philharmonischen Orchester Gießen bereits in der mitreißenden Ouvertüre die französischen Einflüsse der 1848 in Paris komponierten Oper, aber auch die Vorechos auf Meisterwerke wie „Rigoletto“, „Don Carlos“ und „Un ballo in maschera“ (Ein Maskenball). Dessen Personenkonstellation wird in „La battaglia di Legnano“ vorweggenommen: Rolando verdächtigt seine Frau Lida zu Unrecht, diese habe ihn mit seinem Freund Arrigo betrogen.

Hofstetter leitet umsichtig

Versöhnung gibt es erst, als dieser, auf dem Schlachtfeld tödlich verwundet, unter den Klängen eines „Te Deum“ und die italienische Fahne küssend stirbt. Giuseppe Talamo stellte den heroischen Charakter des veronesischen Kriegers mit strahlend trompetendem, wo erforderlich auch schmelzend phrasierendem Tenor und mühelos attackierten Spitzentönen in den Vordergrund.

Die traf auch Tatiana Larina mit atemberaubender Leichtigkeit; Lidas Todessehnsucht widmete sich ihr warm timbrierter, schlanker Sopran mit modulationsreicher Belcanto-Kultur. Über diese verfügte auch der sonore, am Liedgesang geschulte Bariton von Falko Hönisch als Rolando, der ebenso mit markigen Tönen als unnachgiebiger Rächer einen starken Eindruck hinterließ. Im kurzen, aber imposanten Auftritt Friedrich Barbarossas verströmte Calin-Valentin Cozma seinen samtigen Bass.

Unter Hofstetters auf Zwischentöne achtender Leitung trafen Chor und Extrachor des Stadttheaters Gießen den für Verdi typischen energisch-männlichen Ton, der nichts zu tun hat mit der sonst so oft zu hörenden lautstarken Kraftmeierei.

  • Es gibt noch eine Aufführung: am Samstag, 13. Juni, ab 19.30 Uhr.

von Michael Arndt

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