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Bald zwei Frauen an der Spitze

Hessisches Landestheater Bald zwei Frauen an der Spitze

Die Entscheidung ist mutig und nicht alltäglich in Deutschlands Theaterszene: Es gibt nur wenige 
Intendantinnen an deutschen Theatern, eine Doppelspitze ist wohl einzigartig.

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Albert Zetsche, Theaterreferent des Landes Hessen, und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (rechts) freuen sich mit den künftigen Intendantinnen des Hessischen Landestheaters: Eva Lange (Zweite von links) und Carola Unser.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir sind wahnsinnig glücklich, hier in Marburg zu sitzen und bald für Marburg Theater zu machen.“ Die Freude über die Entscheidung der Findungskommission, der neben Vertretern der Stadt Marburg und des Landes als 
Experten Dagmar Schlingmann, 
Generalintendantin des Staatstheaters Saarbrücken, und Gordon Vajen, Intendant des Theaterhauses Frankfurt, angehörten, ist den künftigen Intendantinnen des Hessischen Landestheaters anzusehen: Carola Unser (42) und Eva Lange (43) fiebern der Spielzeit 2018/19 entgegen. Es wird ihre erste von mindestens fünf am Marburger Theater sein.

Auch sie sprachen von einer „mutigen“ Entscheidung: „Zwei Intendantinnen, ein Team, ich wüsste nicht, wo es so etwas gibt“, sagte Carola Unser am Mittwoch beim Pressegespräch im Rathaus. Zuvor hatte sich das künftige Leitungsteam dem Ensemble und den Mitarbeitern des Hessischen Landestheaters vorgestellt.

Beide kommen aus Niedersachsen

Dort ahnt man, dass mit der Entscheidung Veränderungen 
vor allem für das künstlerische Personal des Theaters verbunden sind. Neue Intendanten bringen in der Regel neue Leute mit. Daraus machten die künftigen Intendantinnen auch keinen Hehl: „Es wird ein Neustart sein. Wir werden Gespräche mit allen Mitarbeitern führen und alles prüfen. Es könnte sein, dass es am Theater etwas bunter wird“, sagte Eva Lange.

Eva Lange und Carola Unser kommen beide von der Landesbühne Niedersachsen Nord. Das Theater in Wilhelmshaven ist mit dem Hessischen Landestheater in vielerlei Hinsicht vergleichbar: Das Ensemble des Ein-Sparten-Hauses ist ähnlich groß, die Zahl der Premieren vergleichbar. Zwei Unterschiede: Die Landesbühne in Wilhelmshaven bespielt regelmäßig zwölf Standorte in der Umgebung – in Aurich, ebenso wie in Jever oder Emden. Und die Zahl der Mitarbeiter ist deutlich größer: 100 sind es in Wilhelmshaven, 63 in Marburg.

Eva Lange ist seit 13 Jahren 
Regisseurin, hat an vielen deutschen Bühnen gearbeitet und ist an der Landesbühne Niedersachsen Nord seit vier Jahren Oberspielleiterin. Carola Unser leitete dort vier Jahre lang das Junge Theater.

Die beiden erfüllten damit ideal die Voraussetzungen der Gesellschafter des Marburger 
Theaters, wie Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach betonte. 
Neben Landesbühnenerfahrungen waren dies insbesondere der Blick auf das Kinder- und 
Jugendtheater, das in Marburg einen besonderen Stellenwert hat und – geht es nach den Neuen – ausgebaut werden soll. Weinbach sagte: „Ich habe den Vertrag mit großer Freude unterschrieben.“ Und ergänzte: „Die Lösung wird nicht teurer.“

Neue wollen Integration, Innovation 
und Vernetzung

Albert Zetsche ist als Vertreter seit vielen Jahren im Aufsichtsrat des Landestheaters tätig. Er ist zuversichtlich: „Ich glaube, es wird einen guten Übergang geben, was ja nicht selbstverständlich ist.“ Über den Marburger Intendanten Matthias Faltz sagte Zetsche: „Er macht eine wunderbare Arbeit.“

Faltz hatte zum Spielzeitauftakt 2015 für viele überraschend erklärt, dass er seinen bis 2018 gültigen Vertrag nicht verlängern wollte. Der OP sagte er kürzlich, er habe noch keine neue Stelle im Auge, er wolle sich ganz auf seine Arbeit in Marburg konzentrieren.

Spätestens im Sommer 2017 werden er und seine Nachfolgerinnen enger zusammenarbeiten müssen: Eva Lange und Carola Unser werden ihren ersten Spielplan vorbereiten. Auch das ist üblich und notwendig. Dann werden vermutlich auch erste Entscheidungen über das Ensemble fallen.

Für die Zukunft des Marburger Theaters haben die beiden neuen Intendantinnen erste Vorstellungen. Unter den Stichworten Integration, Innovation 
und Vernetzung soll das Theater als Ort des politischen Diskurses für alle Menschen „jedweder Herkunft und jedweden Milieus“ präsenter sein. Sie wollen die Zusammenarbeit mit Universität, Schulen und Marburger Kulturzentren ausbauen und vertiefen.

Von der Stadt sind beide angetan. Sie haben in Wilhelmshaven die Oberhessische Presse abonniert, „um zu wissen, was hier so passiert.“ Der Eindruck: „Marburg ist eine tolle Stadt mit vielen jungen Menschen“, sagte Carola Unser. Davon konnten sie sich bei dem Fototermin auf dem Marktplatz gleich ein Bild machen, wo zahlreiche geschminkte und kostümierte Erstsemester sichtlich gut gelaunt die Stadt erkundeten.

von Uwe Badouin

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Doppelspitze für das Landestheater

Zwei Frauen teilen sich ab der Spielzeit 2018/2019 die Leitung des Hessischen Landestheaters in Marburg. Carola Unser und Eva Lange bilden dann ein Intendanten-Tandem.

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