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Bachs Musik stimmt auf Ostern ein

Konzert Bachs Musik stimmt auf Ostern ein

Bachs „Matthäuspassion“ gehört heute für Musikliebhaber zu Ostern wie für Kinder der Schokohase. Sie live zu hören ist ein wahres Erlebnis. So war es auch für die 400 Zuhörer in der Kirche St. Peter und Paul am Mittwochabend.

Marburg. Betrachtend und reflektierend lässt Johann Sebastian Bach in seiner berühmten „Matthäuspassion“ von den Sängern die Leidensgeschichte Jesus nacherzählen. Es verwundert einen sehr, dass die Passion nach ihrer Entstehung 1729 erst nicht geschätzt wurde.

Erst durch Felix Mendelssohn Bartholdy gelangte die Passion zur ihrer richtigen Bekanntheit. Hundert Jahre nach der Uraufführung in Leipzig führte Mendelssohn die „Matthäuspassion“ mit der Singakademie zu Berlin auf. Die Singakademie ist die älteste gemischte Chorgemeinschaft der Welt, der Vorgänger der Laien-Konzertchöre. Mit dieser Wiederaufführung löste der damals 20-jährige Mendelssohn eine richtige Bach-Renaissance aus. Der tiefe Ausdruck und die musikalische Sprachgewalt Bachs entsprachen wohl eher dem 19. Jahrhundert.

Auch heute noch hat das Werk die Kraft tief zu beeindrucken. Auch das Bild der 110 Sänger und Sängerinnen des Marburger Konzertchores war imposant. Gleich von Anfang an überzeugten sie zusammen mit den Musikern des Orchesters „Virtuosi Brunenses“ unter der Leitung von Siegfried Heinrich mit einem schönen vollen und warmen Klang. Zwar spielte der Chor seine Stimmgewalt am Anfang nicht gleich aus, dafür überzeugte er mit einem wunderbaren Stimmgeflecht. Hier wurde auch gleich die Zweiteilung der Stimmen hervorragend umgesetzt. Von links ertönte der Klagegesang, von rechts donnerten die Fragen und links neben dem Publikum war der Choral „O Lamm Gottes“ vom Jugendchor der Kantorei der Schlosskirche Weilburg und Mitgliedern des Kiewer Jugendchores zu hören. Der Evangelist wurde von Christian Rathgeber gesungen, der den erkrankten Adam Sanchez vertrat. Er bot mit seiner hellen Tenorstimmen einen guten Kontrast zu den tiefen Stimmen von „Christus“-Sänger Rich Cho und von Xiao-Feng Cai, der die Stellen von Judas oder Petrus übernahm. Allerdings übertrieb es Rathgeber an vielen Stellen mit einer möglichst exakten Aussprache. Ohne das verteilte Textheft hätte es dann doch zu Verständnisproblemen kommen können.

Neben den zwölf Chorälen, die das Geschehen aus der teilnehmenden Sicht schildern, treten die Arien. Diese geben einen persönlicheren Blick auf die Passionsgeschichte. Sopranistin Lisa Rothländer sang hinreißend die Arie „Blute nur, du liebes Herz!“. Im Duett mit Altistin Anna Retczak konzertierte sie wunderschön bei „So ist mein Jesus nun gefangen“, das großartig vom Chor beendet wurde. Mit tiefen Männerstimmen wurde der Donner angestimmt. Aufgelöst durch die einsetzenden Frauenstimmen „blitzte“ es dann musikalische durch alle Stimmen hervor. Das wunderbare Konzert endete ohne Applaus, so wie es sich die Sänger gewünscht hatten.

von Mareike Bader

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