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Ein Plädoyer für das Leben

„BA-TA-CLAN“-Ausstellung Ein Plädoyer für das Leben

Die Anschläge vor 16 Monaten in Paris haben die Welt erschüttert. Die Ausstellung „Ba-Ta-Clan“ setzt nun beeindruckend Zeichen. Gegen den ­Terror. Für die Freiheit. ­
Für das Leben.

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Künstlerin Philippine Schaefer zeigt ihr Werk.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Zwei Skelette schmiegen sich aneinander. Die leeren Augenhöhlen blicken sich an. Er trägt Frack. Sie einen bunten Blumenschmuck auf dem Kopf. Beide lächeln. Dies ist nur eine Version des Bataclan-Plakates, das nun in der Ausstellung im Rathaus zu sehen ist. Mehr als 100 Künstler haben den Schrecken der Anschläge auf den Nachtclub Bataclan in Paris auf ganz unterschiedliche Weise verarbeitet.

Als Vorlage haben alle das Plakat des Bataclans bekommen. Die dicken, in Versalien gedruckten Lettern des berühmten Clubs oben – das elegante Pariser Pärchen darunter – es ist ein Symbol, das sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht. Ein Symbol, das von 100 Künstlern verändert, verformt, weiterentwickelt wurde.

In der Lutherischen Pfarrkirche wurde am gestrigen Sonntag die Ausstellung mit Plakaten zu „Bataclan“ mit einer Vernissage eröffnet.

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„Für uns war diese Arbeit ein wichtiger therapeutischer Prozess. Wir konnten so besser mit dem Geschehenen umgehen“, sagt Philippine Schaefer. Als sie bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung in der Pfarrkirche spricht, ist sie bewegt von der Resonanz. 150 Menschen sind gekommen. So viel, dass man vom Rathaus auf die Lutherische Pfarrkirche ausweichen musste. In einer langen Prozession pilgern die Marburger anschließend von der Pfarrkirche zum Rathaus.

„Es ist toll, dass so viele Menschen unsere Kunst sehen“, betont Schaefer, die ihre ganz ­eigene Sichtweise auf das Geschehen hat. Übermenschlich groß ist ihre Leinwand. Sie hat das Bataclan-Plakat zu kleinen Schnipseln zerrissen und diese wie Splitter auf die Umrisse eines menschlichen Körpers verteilt. Die Besucher lassen die Plakate auf sich wirken. Sie verharren lange vor den Bildern. Rätselnd. Staunend. Bewegt.

Manche Bilder irritieren

„Es ist wirklich beeindruckend, wie unterschiedlich sich die Künstler mit dem Schrecken auseinandersetzen. Die Bilder­ sind zwar gleich, aber eben doch ganz anders“, sagt eine Besucherin. Andere Interpretationen irritieren dagegen. So wie Catherine Arnaults „Batarget“, bei dem nun das Pärchen vor einer Zielscheibe steht. „Manche Denkweisen kann ich nicht nachvollziehen“, sagt eine weitere Besucherin.

Manche Themen finden sich immer wieder in den Plakaten, allen voran der Tod, etwa wenn Einschusslöcher das Bild durchziehen, wie bei Oswald Boston oder Gilles Berquet – oder eben die Skelette von Marjolaine Dégremont. „Die Attentate haben Paris erschüttert“, sagte Dégremont. Bei einem Besuch in Paris traf Kariona Krupka vom Fachdienst Kultur der Stadt Marburg auf die französische Künstlerin – dabei entstand die Idee, die Ausstellung auch in Marburg zu zeigen. Von den insgesamt 106 Werken der originalen Ausstellung in Paris, sind nun 63 Exponate in Marburg zu sehen.

130 Opfer, 130 Namen

„Die Zivilgesellschaft muss gegen den Terror stehen“, findet Dégremont. Und so gibt es auch Arbeiten, die dem schrecklichen Attentat keinen Platz einräumen wollen. „Glamour will never die“ heißt es etwa bei Eliane Pine Carrington. Und auch bei Aurele Lostdog findet sich mit den mit Glitzer verzierten Kostümen des Paares ein bisschen Glamour und natürlich bei der reich geschmückten Collage „La piège“ von Pham Vann Suu May und opulentem Rahmen. Manche Arbeiten scheinen sich dem vorgegebenen Motiv des Bataclan-Plakats zu verweigern. Da ist es mal leer, mal schwarz oder vollgeklebt mit den Namen der 130 Menschen, die beim Terroranschlag getötet wurden, wie bei Benjamin Nitot.

  • Die Ausstellung „Ba-Ta-Clan“ ist noch bis zum 26. April in Marburg im Rathaus zu sehen, täglich von 11 bis 18 Uhr, an Tagen mit Veranstaltungen bis 19 Uhr. Ergänzend findet ein Rahmenprogramm statt. So gibt es politische Vorträge, wie „Salafismus – Bedrohungslage in Deutschland“ an diesem Mittwoch ab 19 Uhr im Lomonossow-Keller oder ein Gespräch vom Zentrum für Frieden- und Konfliktforschung zu „Religionen, Toleranz und Gewalt“ am 24. April ab 19 Uhr im historischen Rathaussaal.
  • Am 19. April findet eine Führung für Sehbehinderte und am 21. April eine Führung für Blinde statt. Beginn ist jeweils 16 Uhr. Treffpunkt ist der Eingang des Rathauses.
  • Weitere Informationen, auch zum Rahmenprogramm, unter www.marburg.de/ba-ta-clan.

von Mareike Bader
 und Nadine Weigel

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