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Autohaus wird zum Theatersaal

Hessisches Landestheater Autohaus wird zum Theatersaal

Wie feiert man in einer Studentenstadt stilecht den Einzug in ein neues Zuhause? Man sammelt Stühle zusammen, schmeißt eine Party und jeder bringt etwas zu essen mit. Genauso hat es das Hessische Landestheater auch gemacht.

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Zusammen mit rund 100 Partygästen feierte Intendant Matthias Faltz den Einzug in ein neues Zuhause. Die Leckereien des Buffets brachten die Gäste selbst mit.Fotos: Nadja Schwarzwäller

„Einerseits ist es ein Ausweichspielort, andererseits ist es eine große Chance“, sagt Intendant Matthias Faltz über das neue Zuhause des Hessischen Landestheaters - ein Zuhause auf Zeit. Bis in zwei Jahren die Stadthalle wieder eröffnet, musste sich das Theater ein Ausweichquartier für seine großen Produktionen suchen. Die Lösung war dann nicht nur eine neue Spielstätte, sondern gleich zwei: die Lutherische Pfarrkirche.

Kunstprojekt fordert Bürger

Das Motto war an Brecht angelehnt und lautete: „Erst kommt das Fressen...“. Für den Abend gab es aber gleich mehrere Überschriften, wie Matthias Faltz erklärte. Eine davon war auf dem roten Band zu lesen, mit dem der obere Teil der „Galeria Classica“ zunächst noch abgesperrt war: „Vom Fuhrwerk zum Kunstwerk“. Unter diesem Titel wird vom 12. bis zum 25. Oktober ein Installationsprojekt entstehen, an dem sich die Marburger Bürgerinnen und Bürger beteiligen sollen. Im „ALM“ - kurz für „Art Lab (Kunstlabor) Marburg“ - will der Künstler Torsten Holger Schlopsnies dann einen „Teilchenbeschleuniger“ bauen.

Schlopsnies stellte den rund 100 Partygästen am Samstagabend seine beiden Musen vor: Ordnaos (Tochter von Ordnung und Chaos) und Lenkufall (Sohn von Lenkung und Zufall). Arbeitsanweisung für alle Beteiligten: „Nimm nicht schon wieder das Taxi der Vernunft“. Der Ausgangspunkt ist quasi die Vergangenheit des Gebäudes und die Tatsache, dass ein Fuhrwerk etwas transportiert. Was das künftige Kunstwerk dann einmal transportiert, hängt auch von den Marburgern ab. Es sollen „neue Kombinationen von wichtigen Gütern“ entstehen, so Schlopsnies. Diese Güter würden zur Not auch von ihm abgeholt. Ein seltsames Souvenir aus Bali zum Beispiel? Sehr gern. Alte Kühlschränke oder Waschmaschinen sind hingegen nicht gefragt.

Boptown Cats rockten

Für den neuen „Hausherrn“ Matthias Faltz war die Einweihung indes persönlich ein ganz besonderer Tag, wie er verriet: Der Intendant besitzt ein Diplom als KFZ-Techniker und an der Stelle würden nun Lebenslinien zusammengeführt. „Jetzt komme ich in ein Autohaus und kann Theater machen“. Bevor dort allerdings Theater gemacht wird, wurde erst einmal Party gemacht. Viele der Gäste waren der Aufforderung nachgekommen, etwas zum Buffet beizutragen und so kam alles vom obligatorischen Salat über rote Wurst bis hin zu Wackelpudding und Kuchen zusammen.

Die „Boptown Cats“ rockten im neuen Theatersaal im Obergeschoss und am späten Abend kamen noch einmal ein paar jüngere Gäste mehr, um im Foyer zur Musik von DJ Karlotta zu tanzen. Dort befindet sich auch für die kommenden zwei Jahre die Theaterkasse. Zur Ausstattung gehören übrigens auch Sessel und Stühle, die sowohl von Privatpersonen wie auch einem Wetzlarer Büroausstatter gestiftet wurden. Als erstes Theaterstück wird am 29. September „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ ab 19.30 Uhr in der „Galeria Classica“ Premiere feiern. Womit wir wieder bei Brecht wären.

  • Alle Informationen zum Projekt „Vom Fuhrwerk zum Kunstwerk“ und zum Spielplan des Theater gibt es im Internet unter www.theater-marburg.de.
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