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Ausstellung wird zum Kunstwerk

Künstlergemeinschaft Ausstellung wird zum Kunstwerk

Vielseitig und kritisch präsentierte sich die Werkstatt Radenhausen mit ihrer Kunstausstellung zum Motto „todschick“, die zahlreiche Besucher anlockte.

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Zahlreiche Kunstinteressierte besuchten am Wochenende die Ausstellung „todschick“ auf dem Hofgut Radenhausen.

Quelle: Mareike Bader

Amöneburg. Ausstellungen von Künstlergruppen sind ein Phänomen – das befand Universitätsmuseumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck in seiner Eröffnungsrede zum Sommerfest der Werkstatt Radenhausen. Doch während Gruppen, wie „Der Blaue Reiter“ nur kurzzeitig und durch eine gemeinsame technische Herangehensweise begeisterten, sei die Künstlergemeinschaft Werkstatt Radenhausen da anders.

Denn die Künstler arbeiten bereits seit 18 Jahren auf dem alten Rittergut am Fuße der Amöneburg zusammen. Jedes Jahr feiern die inzwischen neun Künstlerinnen und Künstler zusammen ein Sommerfest, zu dem es eine thematische Ausstellung gibt. Otterbeck bezeichnete das Sommerfest als „Highlight im Kulturjahr“.

Auch dieses Jahr kamen zahlreiche Besucher, um die Werke zum Thema „todschick“ im Kornspeicher anzusehen. Darüber hinaus hatten die Künstler Skulpturen im Garten aufgestellt. Im Atelierhaus gab es Einblicke in das Schaffen der Künstler, zudem waren Fotografien von Georg Mertin aus Wallau zu sehen, der seine Fotoserie „Der Tod nach dem Tod“ präsentierte.

Jeder Künstler erhält seine todschicke Ecke

Gemeinsam haben sich Gerda Waha, Ursula Eske, Lies Kruschwitz, Antonia Mösko, Burgi Scheiblechner, Klaus Schlosser, Hans Schohl, Margarete Trümner und Liesl Haber auf ein gemeinsames Thema eingelassen – „todschick“, was eigentlich eine Verballhornung des französischen Ausdrucks „tout chic“, alles elegant, ist, wie Otterbeck in seiner Rede hervorhob.

Zwar bedürfe moderne Kunst oft einer Kommentierung. Der Ausstellung im alten Kornspeicher bescheinigte der Kunsthistoriker jedoch, dass die Werke aus ihrer Erscheinung heraus ihre Bedeutung transportierten. In der Zusammenstellung mit den verschiedenen Techniken, sei eine Art Rauminstallation im Kornspeicher entstanden, so Otterbeck. Dieser Eindruck bestätigte sich schnell. Jeder Künstler hatte eine Ecke zugeteilt bekommen, in der er für sich den Begriff „todschick“ aufnahm und kommentierte.

Burgi Scheiblechner nannte 
ihre Malereien „Todschick in den Tod geschickt“ und zeigte verschiedene Militäruniformen. Gegenüber standen Lies Kruschwitz‘ gemalte Porträts von Gothik-Anhängern und dazwischen hatte Antonia Mösko Papierkleider hängen. „Made in Hell“ hieß ihre Installation, die auf dem Boden die desolaten Arbeitsbedingungen in Bangladesch oder Indien anprangerte.

Hans Schohl hatte gleich auf drei Arten das Thema verarbeitet, mit seinen „Modehäuser“-Skulpturen, die einen Versandhauskatalog als Dach hatten, „Todschick-Vintage“-Drucken und vor allem seiner „Burka-Mechanik“, bei der er die Burkadiskussion künstlerisch-mechanisch aufnahm und den Burkaträgerinnen bunte Handtaschen verpasste.

Bei Kuchen, Kaffee und ruhiger Barmusik nahmen sich die vielen Besucher bei dem herrlichen Wetter Zeit, um die vielseitige Kunst der Radenhausener auf sich wirken zu lassen.

von Mareike Bader

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