Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Wenn Bilder zu „Meilensteinen“ werden

Ausstellung: Elke Therre-Staal Wenn Bilder zu „Meilensteinen“ werden

Malereien, die eine Auseinandersetzung fordern, zeigt Elke Therre-Staal im Rotkehlchen. Zur Eröffnung hatte sie einen prominenten Marburger eingeladen – Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel.

Voriger Artikel
Wenn Marx Luther die Leviten liest
Nächster Artikel
Auf dem Kunstpfad zur „Hessiale“

Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel (links) eröffnete gemeinsam mit Helga-Katharina Berndt (rechts) die Ausstellung von Elke Therre-Staal.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Grünen-Politikerin Elke Therre-Staal ist für ihr sozialpolitisches und kulturelles Engagement bekannt. Sie setzt sich aber nicht nur für Kultur ein, sondern ist auch aktiv kreativ, etwa als Geigerin beim Marburger Kammerorchester oder als Malerin. Seit 22 Jahren entdeckt sie mit ihrer Malgruppe verschiedene Techniken und Stile. Seit sie 2005 ihre psychotherapeutische Praxis aufgegeben hat, beschäftigt sie sich ­besonders intensiv mit dem Malen. Vor drei Jahren kam die Aquarell-Technik hinzu, erzählt Therre-Staal im Gespräch.

Die Ausstellung im Rotkehlchen in der Waggonhalle umfasst 15 „Hinausgehbilder“, wie sie ihre Werke nennt. Zu sehen sind etwa Landschaften, wie der Rheinfall, oder fünf zusammengehörige Bilder, die „Lilien im Verblühen“ zeigen und in einem Zeitraum von drei Jahren entstanden sind, wie die Hobby-Künstlerin erzählt. Auf der Empore sind sechs Aquarelle zu sehen, die nur schemenhaft etwas erkennen lassen. Die Titel beginnen jeweils mit „Ich verlasse“ und verweisen dann auf ­Küche, Flur oder Wohnzimmer.

Vaupel: Bilder machen Angst und geben Hoffnung

Diese Bilder seien während ­ihrer akuten Asthma-Erkrankung entstanden und schilderten ­ihre Auseinandersetzung mit der Atemnot, erläuterte ­ihre Freundin Helga-Katharina Berndt bei der Einführung. „Jedes Bild ist ein Meilenstein auf Elkes Weg“, zog Berndt Fazit. Schließlich seien alle Bilder von einer reifen Frau im Alter von über 70 Jahren gemalt worden.

Er hätte nicht gedacht, wie sehr ihn die Bilder berühren würden, befand Egon Vaupel. In den Bildern habe er auch Angst gesehen, die Menschen empfinden, wenn sie alltägliche Nachrichten sehen. Die Auseinandersetzung mit den Bildern gebe Hoffnung und Mut, so Vaupel – etwas was in der heutigen Zeit sehr wichtig sei. „Die Auseinandersetzung stärkt unser Vertrauen – das Lebensfundament“, so Marburgs Ex-Oberbürgermeister, der auf „dekonstruktive ­Einflüsse“ etwa von Populisten verwies. „So einfach wird das nicht vorübergehen“, rief Vaupel zur kritischen und aktiven Auseinandersetzung mit diesen Themen auf.

„Früher hat man das noch­ ­Koalition genannt“

Diese Eigenschaft habe er als Oberbürgermeister an Elke Therre-Staal bei der politischen Zusammenarbeit im Stadtparlament geschätzt. Sie habe unterschiedliche Ansichten abgewogen und nach einer auf Argumenten basierten Analyse ihre Aussagen getroffen, die oft von den Mehrheiten getragen wurde. Einen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen: „Früher hat man das noch­ ­Koalition genannt.“

Er versuche, Abstand zu aktuellen stadtpolitischen Themen zu halten, verriet Vaupel im Gespräch mit der OP. Ihm gehe es gut, er genieße es, auch mal Zeit zum Lesen zu haben. „Ich hab aber genug zu tun“, lachte der ehemalige Oberbürgermeister,­ der in Jeans und Freizeithemd auftrat und von vielen Besuchern angesprochen wurde.

„Dein Rat hat mir immer viel bedeutet“, dankte er Elke Therre-Staal und lobte sie dafür, immer mit viel Vorsicht an wichtige Themen herangegangen zu sein. „Mit ihm zusammenzuarbeiten, bedeutete für mich, vertrauensvoll zu arbeiten“, gab Therre-Staal das Lob zurück.

  • Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli im Rotkehlchen in der Waggonhalle zu sehen.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr