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Aus dem Leben seltsamer Wesen

Jan Weiler und seine "Pubertiere" Aus dem Leben seltsamer Wesen

Es lebt in schlecht belüfteten Räumen und geht seinen erwachsenen Mitmenschen gehörig auf die Nerven: das Pubertier. Auch in Jan Weilers neuem Buch „Im Reich der Pubertiere“ spielt es eine Hauptrolle. 200 Zuhörer in der Waggonhalle wollten mehr über die seltsamen Wesen erfahren.

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Kultautor mit schauspielerischem Talent: Jan Weiler stellte in der Waggonhalle seinen Bestseller „Im Reich der Pubertiere“ gestenreich vor.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. „Tach!“ rief Jan Weiler von der Bühne ins Publikum und strahlte. Mehr als 200 Zuschauer saßen am Freitagabend dicht an dicht in der Waggonhalle und strahlten zurück. „Alles okay? Auch zu Hause?“ fragte Weiler weiter und begann gleich zu erzählen. „Ich habe eine Tochter. Carla. Sie ist 16.“ Das allein genügte, um wissendes Gelächter bei den Zuschauern hervorzurufen.

So ging es den ganzen Abend weiter: Jan Weiler schilderte die Nöte der Eltern pubertierender Kinder derart treffend, dass sich alle sofort wiederfanden und einen Riesenspaß dabei hatten. Früher sei Carla ja ein sehr nettes kleines Mädchen gewesen - vor ihrer Verwandlung in ein Pubertier, so der Autor weiter. Jetzt sei der Alltag in der Familie ziemlich anstrengend geworden, selbst um eine läppische Saftflasche im Wohnzimmer entbrenne ein stundenlanger Streit. Aber statt aufzuräumen, gibt die Tochter dem Papa immer nur einen guten Rat: „Chill doch mal dein Leben!“

Extraapplaus für schauspielerisches Talent

Trotzdem sei es unheimlich wichtig, in ständigem Kontakt mit der Tochter zu bleiben, betonte der Schriftsteller. Und spielte gleich darauf vor, wie kürzlich ein Telefongespräch mit der Tochter während einer Zugfahrt abgelaufen ist. „Hallo Carla! … Wann musst Du dein Referat halten? … Schon morgen?“ Schließlich verspricht der Vater, zu helfen - und beginnt gleich im Zug damit, das Referat für die Tochter in seinen Laptop zu tippen.

Für diese Szene, die direkt aus dem Leben gegriffen schien, gab es einen Extraapplaus für den auch schauspielerisch sehr begabten Jan Weiler.

Autor trifft Nerv leidgeprüfter Eltern

Auch beim Thema Schule traf der Autor einen Nerv bei den zahlreichen leidgeprüften Eltern im Publikum. Ein Elternabend sei ja wie Speeddating, behauptete er: „Da sitzt man jemandem gegenüber, den man auf keinen Fall wiedertreffen will.“ Aber noch schlimmer als die nervigen Lehrer seien ja eigentlich die anderen Eltern, die alles besser wüssten und einem mit guten Ratschlägen auf den Geist gingen.

Aber Weiler konnte auch über sich selbst lachen und nicht nur über die Macken seiner heranwachsenden Kinder. „Ich bin erziehungstechnisch eine Null“, gab er zu. „Ich fange sofort an zu drohen. Mein Computerverbot reicht schon bis ins Jahr 2090.“ Sehr sympathisch war auch das Eingestehen kleiner, altersbedingter Mängel, die von den Kindern sofort bemerkt und zerpflückt werden.

Nummer 1 der Bestsellerlisten

Die Zuschauer in der Waggonhalle amüsierten sich königlich und dankten dem sympathischen Schriftsteller mit viel Applaus für den kurzweiligen Einblick in einer oft fremde Spezies, mit denen Eltern meist sehr überraschend konfrontiert werden.

Jan Weiler wurde 1967 in Düsseldorf geboren. Er besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete als Redakteur und Autor. Zeitweise war er Chefredakteur für das Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Mit dem Buch „Das Pubertier“ landete er 2014 einen Nr.-1-Bestseller, auch die Fortsetzung „Im Reich der Pubertiere“ von 2016 steht derzeit ganz oben auf den Bestsellerlisten. Jan Weiler hat unter anderem den Roman „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ geschrieben, der als erfolgreichstes deutsches Romandebüt der letzten 20 Jahre gilt. Das Buch wurde 2009 für das Kino verfilmt.

  • Jan Weiler: „Im Reich der Pubertiere“, Kindler-Verlag, 176 Seiten, 12 Euro.

von Bettina Preussner

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