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Aus Volksliedern wird mitreißender Jazz

Edgar Knecht Trio im KFZ Aus Volksliedern wird mitreißender Jazz

In Marburg hat Edgar Knecht noch nie gespielt. Um so mehr freuten sich die Jazzfans am Freitag im voll besetzten Marburger KFZ über ihn und sein Trio.

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Edgar Knecht gilt als einer der besten Jazzpianisten Deutschlands. Bei seinem ersten Konzert in Marburg begeisterte er im KFZ mit seiner ansteckenden Spielfreude.Foto: Jan Bosch

Marburg. Edgar Knecht wird als einer der besten deutschen Jazzpianisten gehandelt. Ob solo, Trio oder Quartett, seine Kompositionen und Auftritte sind preisgekrönt. Thematisch widmen sich Knecht, der Bassist Rolf Denecke und Schlagzeuger Tobias Schulte, beide ebenfalls auf internationalen Bühnen unterwegs, dem Volkslied.

Wer dabei an Festzelt und Mundorgel denkt, liegt weit daneben. Das Trio greift Klassiker thematisch auf und hüllt sie in ein frisches musikalisches Gewand. „Heißa, Kathreinerle“ wird zur heißen Katrine, die beschwingt von groovenden Melodien durch den Saal schwebt. Das Publikum haben die Musiker sofort überzeugt. Begeistert von den kurzweiligen Arrangements spendieren die Zuschauer großen Applaus.

Knecht’s Spiel ist mitreißend. Ständig in Bewegung, wiegt sich sein ganzer Körper im Takt, fliegen seine Finger über die Tasten des Flügels. Verwandelt er den schwermütigen König von Thule in ein Feuerwerk fröhlicher Salsa-Rhythmen, hält es den Tastenvirtuosen selbst nicht mehr auf seinem Hocker.

Die Spielfreude der drei Musiker, die sich auf der Bühne musikalische Ideen zuwerfen, ist ein mitreißendes Vergnügen. Denecke, geradezu verwachsen mit seinem Kontrabass, groovt, streicht und zupft auf dem großen Instrument. Virtuos holt er aus seinen vier Saiten weit mehr heraus, als nur Rhythmus.

Zur Höchstform laufen die Musiker bei „Die Gedanken sind frei“ auf. Im Auftrag für Joachim Gauck komponiert, nehmen sie das Thema wörtlich und spielen zehn Minuten frei heraus. Schulte, der exakt wie ein Uhrwerk den Takt bestimmt, schöpft sein gesamtes Arsenal von Percussion-Schätzchen aus. Noch in den letzten zarten Klängen der Udu-Trommel skandieren schon die ersten hungrigen Rufe nach weiteren Schmankerln.

Mehr als zwei Stunden Konzert mit zwei Zugaben machen den Abend zu einem großartigen Jazzerlebnis. Nach ihrem fulminanten und lang anhaltend beklatschten Auftritt, werden die Musiker an der Theke von einer Menschentraube umringt. Lobendes Schulterklopfen. Viele ließen sich gleich noch den hörenswerten Silberling des Trios „Dance on Deep Waters“ signieren.

von Jan Bosch

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