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Aus Dunkelheit in die Welt der Farbe

Ausstellung Aus Dunkelheit in die Welt der Farbe

„Diese Ausstellung ist für mich eine der spannendsten, die ich je gemacht habe“, das sagt der Künstler Werner Knaupp vor der Eröffnung der Schau „Schwarz“ im Marburger Kunstverein.

Marburg. Denn im Kunstverein sind ab Freitag Arbeiten aus drei sehr unterschiedlichen Werkgruppen von Knaupp zu sehen - Malerei, Skulptur und Fotografie. So unterschiedlich die Werke auch seien, sie seien „immer der Knaupp“, so der Künstler bei der Vorstellung der Ausstellung. In ihnen allen finde sich eine gewisse Melancholie, die ihm als Person eigen sei. Diese Melancholie ist gewiss auch genährt von seinen Lebensstationen im Sterbehaus von Mutter Theresa in Indien, als Mitarbeiter in der Psychiatrie in Bayreuth oder im Krematorium in Nürnberg.

Das Thema Tod hat ihn fasziniert, und seine Eisenskulpturen aus den achtziger Jahren haben auch die Vergänglichkeit des Lebens zum Thema, sind Fragmente menschlicher Körper, wie sie eine Gruft freigegeben haben könnte, morbide und auch erschreckend.

„Natur ohne menschliches Maß“

Ab 2002 hat sich Knaupp der Malerei gewidmet und die „Westmännerinseln“, erkaltete Vulkane, die vor Island aus dem Meer ragen, immer wieder gemalt - und das sie umgebende Meer bis in dessen tiefste Dunkelheit hinein, „Natur ohne menschliches Maß“, wie der in Leinburg lebende 77-jährige Künstler sagt. Und auch die Formate seiner Gemälde sind gewaltig.

Im Kontrast zu diesen beiden eher dunkel anmutenden Werkgruppen steht die dritte und jüngste. Es sind großformatige und bunte Fotografien von Blumen, wenn auch nicht aus einem idyllisch-verkitschten Naturverständnis aufgenommen. „Blumen sind kleine und große Monster, die einen rücksichtslosen Kampf um das Licht kämpfen“, sagt Knaupp. Nach einer schweren Krankheit sei er zu schwach zum Malen gewesen und habe daher mit einer kleinen Digitalkamera Bilder im eigenen Garten gemacht - weil ihm die Kamera aus der hand gefallen sei, versehentlich und dann aber gezielt aus der Froschperspektive. Tausende Fotos entstanden in dem Blumengarten seiner Frau, aus denen er die ausdrucksstärksten ausgewählt hat. Durch die Größe der Abzüge habe er die gewünschte Abstraktion erreichen können. „Ich bin glücklich, dass ich diese Arbeitsgruppe hier ausstellen kann“, so Knaupp.

Die „Haltung des Künstlers“ erkennt Knaupp auch in den Fotografien von Nicole Ahland aus Wiesbaden die den zweiten Teil der Ausstellung bestreitet und die ebenso wie er bei der Vernissage dabei sein wird. Unter dem Titel „Appearances“, zu deutsch Erscheinungen, präsentiert sie Fotos, die auf denen ersten - und oft auch auf den zweiten - Blick wie Gemälde wirken. Sie arbeitet analog und ist nicht an Abbildung interessiert, sondern an der Wirkung und an der Interaktion mit dem Gegenüber. Mit zu wenig oder zuviel Licht, mit Unschärfen und Überlagerungen kehrt sie die traditionellen Mittel der Fotografie um und erreicht auf ihren Fotos eine nahezu überirdisch erscheinende Lichtstimmung, die banale Räume beinahe mystisch auflädt.

Die Vernissage beginnt um 18 Uhr im Marburger Kunstverein. zur Eröffnung spricht Dr. Thomas Heyden vom Neuen Museum in Nürnberg.

Die Ausstellung wird anschließend bis zum 25. Juli zu sehen sein.

Von Heike Döhn

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