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Auftakt mit dem neuen Roman von Stephen King

OP-Lesesommer Auftakt mit dem neuen Roman von Stephen King

Die Sommerzeit ist Lesezeit. Viele Menschen finden in den Ferien Muße für Literatur. Die OP stellt von heute an täglich einen Lesetipp mit einer Leseprobe vor.

Marburg. Bei Stephen King denken viele Menschen automatisch an Horror. Kein Wunder: Der 65-jährige Bestsellerautor hat im Laufe seiner langen und eindrucksvollen Karriere mit Romanen wie „Shining“, „Es“ oder „Carrie“ mehr als 400 Millionen Bücher verkauft. Viele seiner Bücher wurden zudem von Hollywood verfilmt

Doch der Meister des Schreckens kann auch anders. Sein jüngster Roman: „Joyland“ ist kein klassischer Horrorschinken, King erzählt in seinem Krimi vielmehr vom Erwachsenwerden und der Magie der Schausteller-Welt. Allerdings - ganz ohne Grusel kommt ein Stephen King nicht aus.

„Joyland“ spielt im Spätsommer 1973 an der Küste North Carolinas: Der Student Devin Jones heuert in den Semesterferien auf dem Jahrmarkt „Joyland“ als Helfer an. Es wäre ein perfekter Sommer, gäbe es da nicht diese unheimliche Geisterbahn, in der das Gespenst eines vor Jahren ermordeten Mädchens sein Unwesen treiben soll. Neugierig versucht der Student dem Spuk auf den Grund zu gehen. Als der Möchtegern-Detektiv dabei einem Serienmörder auf die Schliche kommt, wird aus dem Spaß tödlicher Ernst.Dabei erzählt die von Liebeskummer geplagte Hauptfigur ihre Geschichte selbst, rückblickend, als alter Mann, und ironisch. Auch ist Kings neuer Roman mit 352 Seiten erfrischend kurz. Der Autor verschwendet kein Wort mehr als nötig, um nostalgische, kurzweilige Bilder vom Leben auf dem Rummel und den Menschen darin zu zeichnen.

„Joyland“ ist kein klassischer King, kein übernatürliches Horrorspektakel mit Zombie-Kuscheltieren oder kinderfressenden Clowns. Der Roman ist ein Krimi mit einem kalten Hauch von Geisterbahn-Grusel. Der gewohnte Spuk hält sich eher bedeckt im Hintergrund, zum Beispiel in Form einer mysteriösen Hellseherin oder eines todkranken Jungen mit zweitem Gesicht. Doch auch wenn Splatter-Fans enttäuscht sein könnten: King erzählt eine kurzweilige Geschichte vom jugendlichen Gefühlschaos, von der ersten großen Liebe und dem magischen Leben auf dem Rummel.

Leseprobe

Neun Minuten später stiegen wir aus und verließen die Geisterbahn zusammen mit den übrigen Besuchern durch die Spielhalle. Dabei konnten wir hören, wie Eddie die nächste Zugladung ermahnt, die Hände im Waaagen zu behalten und auf den Büüügel zu achten. Dabei vermied er jeden Blickkontakt zu uns.

„Das Verlies war ja nicht gerade gruselig - die Gefangenen waren alle Dobies“, sagte Erin. „Der in dem Piratenkostüm war Billy Ruggerio.“ Sie war hochrot im Gesicht, und ihr Haar war von den Ventilatoren verschrubbelt - ich fand, dass sie noch nie so hübsch ausgesehen hatte. „Aber auf den Schreienden Schädel war ich nicht vorbereitet, und die Folterkammer - du meine Güte!“

„Ziemlich krass“, stimmte ich ihr zu. Während meiner Highschool-Jahre hatte ich eine Menge Horrorfilme gesehen und hielt mich für einigermaßen abgebrüht, aber als da der Kopf mit hervorquellenden Augen die schräge Rinne von der Guillotine runtergerollt war, hatte ich mir fast in die Hosen gemacht. Ich mein ja nur - der Mund hatte sich noch bewegt.

Stephen King: „Joyland“, Heyne-Verlag, 352 Seiten, 19,99 Euro.

von Uwe Badouin

und Nico Pointner

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