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Auf der Suche nach guten Momenten

Skurriles Theaterprojekt Auf der Suche nach guten Momenten

Bisweilen freut man sich, wenn einem gutes widerfährt: „Genau so muss es sein!“ So heißt auch das jüngste Projekt des „german stage service“ vom 20. bis 27. Juli auf dem Lutherischen Kirchhof.

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Mitglieder der Theatergruppe „german stage service“ stecken mit ihren Körpern grob den Rahmen ab, den das Haus haben soll, das sie kommende Woche bauen und bespielen werden. Die Arbeiter im Hintergrund haben damit nichts zu tun. Sie rüsten die Pfarrkirche ein, die in Teilen saniert werden muss.

Quelle: Foto: Uwe Badouin

Marburg. Es ist ein äußerst ungewöhnlichen Projekt, das die freie Marburger Theatergruppe „german stage service“ im Herzen der Marburger Altstadt plant. Zuerst nämlich muss dort noch das „Theater“-Haus errichtet werden. Wie es aussehen wird, wissen die Planer noch nicht, denn von Montag an kann jederzeit Bauholz jeglicher Art auf dem Kirchhof abgegeben werden. „Wir werden alles verbauen, garantiert“, sagt Theatermacher Rolf Michenfelder.

Wer will, kann auch selbst mit Hand anlegen und beobachten, wie das Haus allmählich in die Höhe und die Breite wuchert. Es ist sogar gewünscht: Künstler, Schulklassen und Freiwillige können mitzimmern an Haus und Bühne. Für die Statik zuständig ist ein Zimmermann, auch andere Handwerker wie ein Elektriker sind dabei, denn das „Genau so muss es sein!“-Haus braucht auch Strom.

Sicher ist nur soviel: Das Haus wird zwei große Schaufenster haben, schließlich soll es ja bespielt werden und die Besucher sollen auch sehen, was im Haus passiert: Etwa eine 26 Stunden lange Performance.

Schräge Geschichten und verrückte Maschinen

Rolf Michenfelder und Matti Fischer werden das Haus am Donnerstagabend beziehen und mit dem spielen und agieren, was dann bereits da ist. „Jede Stunde hat ein Thema, es gibt etwa eine Stunde der Schönheit und des Scheiterns!“, sagt Michenfelder. Und ja: Es gibt auch eine Stunde des Schlafes. Vielleicht gelingen den beiden ja die so sehnsüchtig erhofften „gelungenen Momente“. Ein Dach sollte die Hütte bis dahin hoffentlich haben.

Bis Montag, 27. Juli, wird dort gespielt, geplaudert, gesungen, gekocht: schräge Geschichten, verrückte Maschinen und Lichtinstallationen listet „german stage service“ ebenso auf wie Brautpaare, Kopfhörerpartys oder eine ein- und ausziehende Wohngemeinschaft. Letztere wurde bereits gefunden. Was die WG allerdings mitbringt, um ihren Part zu einem gelungenen Moment zu machen, ist deren Sache.

Auch „das beste Essen der Welt“ soll man dort kosten können. Der Tscheche Kajetan Skurski wirft am Samstag, 25. Juli, um 18 Uhr die Kochplatten an. Und am Sonntagabend wird zur gleichen Zeit in der Küche improvisiert mit allem, was die Besucher so vorbeibringen. Und vielleicht, hofft das Team, sagen die dann ja auch: „Genau so muss es sein!“

Eine „Hommage an die Flüchtigkeit der Kunst“

Chöre werden vorbeischauen und singen, etwa Mitglieder der Kurhessischen Kantorei, Filme werden gezeigt, Reden gehalten. Und unter den Platanen der Kirchhofs kann man sich das ganze in Ruhe betrachten, Kaffee und Kuchen genießen. Währenddessen soll am Haus weitergebaut werden, solange Material vorhanden ist.

Und weil alles, ein Ende haben muss, auch dann, wenn es genauso gewesen ist, wie es sein sollte, wird das Haus am 27. Juli ab 8 Uhr morgen wieder abgebaut – „als Hommage an die Flüchtigkeit der Kunst“. Während der ganzen sieben Tage können Besucher kommen und gehen, wie sie wollen. Und wer selbst etwas beitragen möchte zu diesem 156-Stunden-Theater-Happening ist ebenfalls willkommen, die kreativen Lücken zu füllen.

von Uwe Badouin

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