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Auf den Spuren ungleicher Geschwister

Lesung im Cineplex Auf den Spuren ungleicher Geschwister

Mucksmäuschenstill ist der restlos ausverkaufte Saal, wenn Benedict Wells zu lesen beginnt und die Tore seiner phantasiereichen Welten öffnet. Im Cineplex las der junge Autor aus seinem vierten Roman „Vom Ende der Einsamkeit“. Veranstalter war die Buchhandlung am Markt.

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Autor Benedict Wells ließ die Zuhörer bei seiner Lesung im Cineplex in die komplizierte Gefühlswelt seiner Charaktere eintauchen.Foto: Nigar Ghasimi

Marburg. Der Ort war passend gewählt, denn Wells berichtete, dass auch er in jungen Jahren einmal im Kino gejobbt hatte. Mit sanfter Stimme, dramatischen Pausen und schauspielerischem Talent führte Wells tief in die Geschichte ein, wobei er jedes Detail seiner vielschichtigen Figuren für die Zuhörer lebendig und vorstellbar machte. An seinem Buch arbeitete er sieben Jahre lang. Darin stecke alles was er sei und was er könne, erklärte er. Themen wie Liebe, Angst, Verlust und Einsamkeit seien dementsprechend nicht nur die Motive seines Romans „Vom Ende der Einsamkeit“, sondern auch jene seines eigenen Lebens. Somit verschafft er sich über die Empfindungen den Zugang zu seiner Geschichte.

Verlust der Eltern führt zu Einsamkeit

Über 35 Jahre erstreckt sich die Geschichte von Jules, Liz und Marty, die in sehr jungen Jahren durch einen Unfall plötzlich ihre Eltern verlieren und gezwungen sind, ein Internat zu besuchen. Exzesse, Rückzug und die Flucht in Tagträumereien erfüllen das Leben der drei Geschwister für die folgenden Jahre. Völlig unterschiedlich gehen sie mit dem frühen Verlust der Eltern um und dennoch vereint sie die eine Komponente, nämlich die Einsamkeit, die alle Protagonisten im Roman begleitet.

Jules, der jüngste der drei, führt den Leser in diese Welt der Ohnmacht, in der die Geschwister gefangen sind. Und lässt Teil daran haben, was die tragischen Umstände aus ihrem Leben machen. So geht der Autor der Frage nach was dafür sorgt, dass ein Leben wird wie es wird. Welche Umstände können dazu führen, dass Schicksale, die bereits geschrieben zu sein scheinen - wie das der drei Kinder, die in eine behütete Familie geboren werden - so abrupt die Richtung wechseln? Gibt es etwas, das immer gleich bleibt in einem Individuum oder das man zwar verliert, sich aber im Laufe seines Lebens zurückerobern kann?

Der Anspruch ist es nicht, eine absolute These aufzustellen und zu belegen, sondern die Frage nach dem, was bleibt oder wiederkommt so gut es geht zu stellen. Wells möchte durch diesen Roman den Blick auf die Gefühle richten, die man sonst gerne meidet: „Ich hatte einfach keine Lust mehr, wegzusehen“, sagt Wells. „Denn wenn man wegschaut bei solchen Themen dann sieht man im Augenwinkel eigentlich nur noch den Schrecken. Wenn man aber lange genug hinsieht, dann kann man vielleicht auch etwas finden, was man dem entgegenstellen kann. Es war mir wichtig, etwas Hoffnungsvolles zu schreiben.“

von Nigar Ghasimi

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