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Auf den Spuren großer Cellisten

30. Eckelshausener Musiktage Auf den Spuren großer Cellisten

Mit einem Weltstar, dem Geiger Gidon Kremer, hatten die 30. Eckelshausener Musiktage begonnen. Drei junge Musiker setzten am Pfingstmontag im Marburger Landgrafenschloss den Schlusspunkt.

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Hayoung Choi und Aurelien Pascal, zwei junge Solisten von der Kronberg Academy, musizierten zum Abschluss der Eckelshausener Musiktage im Fürstensaal.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Seit 2013 wird das Festival-Finale im Fürstensaal des Marburger Schlosses von Musikern der Kronberg Academy bestritten. Bisher musizierten stets Lehrer und Studenten. Am Montag standen ausschließlich „Junge Solisten“ im Mittelpunkt. Sie studieren in Kronberg bei dem schwedischen Meistercellisten Frans Helmerson.

Zu Beginn des zweistündigen Programms, das fast ausschließlich Werke bedeutender Cellisten enthielt, widmete sich der 21-jährige Franzose Aurélien Pascal mit leuchtend singendem Ton einer Sonate von Luigi Boccherini. Als Generalbass-Partnerin übernahm Ha­young Choi für ihren Kollegen auch das Umblättern der Noten.

Mitreißende Musizierlaune

Die 1998 in Bielefeld geborene Cellistin südkoreanischer Abstammung spielte danach eine „Alterssünde“ von Gioacchino Rossini mit dem Titel „Une larme“ (Eine Träne), der sie die 1942 komponierten Rossini-
Variationen des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu folgen ließ – nicht nur für Choi, sondern auch ihre Klavierbegleiterin Megumi Hashiba Anlass, mitreißende Musizierlaune zu beweisen.

Die japanische Pianistin und Klavierdozentin war den jungen Solisten der Kronberg Academy auch in den folgenden Werken die ideale Partnerin. Zunächst Pascal und Benedict Kloeckner, die in der 1973 komponierten neobarock-opernhaften Suite von Gian Carlo Menotti eindringlich duettierten.

Kloeckner, 1989 in Neuwied geboren, besitzt von den drei Solisten die größte Konzerterfahrung. In 
Peter Tschaikowskys „Valse sentimental“ erlebten ihn die 200 Zuhörer im ausverkauften Fürstensaal als Poeten. Dann setzte Kloeckner den Höhepunkt des Abends mit den Paganini-Variationen, die der große ukrainisch-jüdische Cellist Gregor Piatigorsky („Mein Cello und ich“) 1946 komponiert hat.

Es sind 15 hinreißende Miniatur-Porträts von großen Kollegen, die Piatigorsky besonders geschätzt hat: unter anderem die Geiger Heifetz, Kreisler und Menuhin, die Cellisten Casals und Cassado, aber auch der Pianist Horowitz. Kloeckners atemberaubend bravouröse Wiedergabe trug ihm den stärksten Applaus des Abends ein. Aber auch Pascal wurde gefeiert für seine nicht minder brillante Wiedergabe der „Fantasie über kleinrussische Lieder“ von David Popper, einem der zentralen Cello-Virtuosen und -Pädagogen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

2200 Zuhörer kommen zu neun Konzerten

Den Schlusspunkt setzten Choi, Kloeckner und Pascal, nun ohne Klavierbegleitung, mit zwei Sätzen aus „Sogno ad occhi aperti“ des 1962 auf Sizilien geborenen Cellisten Giovanni Sollima, dem in seinem „Tagtraum“ eine eingängige Mischung aus Minimalismus und italienischer Folklore gelungen ist. Für die drei Cellisten Anlass, in mitreißender Musizierlust zu schwelgen, wobei zwei der Celli zeitweise auch als Schlaginstrumente herhalten mussten.

Am Dienstag zeigte sich Festivalkoordinatorin Mareile Zürcher hochzufrieden. 2200 Zuhörer seien zu den insgesamt neun Konzerten gekommen – mehr als im Vorjahr. Vier davon waren ausverkauft: neben dem Finale das Eröffnungskonzert mit Weltstar Gidon Kremer, „der sich bei uns ausgesprochen wohlgefühlt hat“, die Auftritte von „Flautando Köln“ in Bad Laasphe und „Passo Avanti“ in Eckelshausen.

Um den 120.000-Euro-Etat zu stemmen, sei es gelungen, neue Sponsoren zu gewinnen – „dank auch der Mithilfe unseres Schirmherren, Finanzminister Dr. Thomas Schäfer“, betont Zürcher. Großer Dank gelte aber vor allem den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. „Sie 
haben maßgeblich Anteil am Erfolg der Musiktage.“

von Michael Arndt

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