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Auf den Spuren der Posträuber

Historischer Bericht und Musical Auf den Spuren der Posträuber

In Biedenkopf hat diesen Freitagabend das Musical „Der Postraub“ Premiere. Es fußt auf einem histo­rischen Verbrechen. Der ­Jonas-Verlag hat den ­alten Gerichtsbericht über den „Postraub in der ­Subach“ herausgebracht.

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besetztes Musikdrama

Diese Probenszene aus dem Musical „Der Postraub“ zeigt die Räuber aus Kombach, die eine Post­kutsche mit Geld überfallen wollen.

Quelle: Schienbein

Biedenkopf. Das Musical fußt auf einem historischen Verbrechen, dem schon Regisseur Volker Schlöndorff 1971 mit seinem Film „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ ein Denkmal setzte. Dieser Reichtum wurde den Männern zum Verhängnis, die 1822 von Kombach loszogen, um bei Gladenbach eine Postkutsche zu überfallen.

Fünf der Räuber wurden am 7. Oktober 1824 in Gießen hingerichtet. Die Obrigkeit kannte damals keine Gnade. Der Jonas-Verlag hat den Bericht des Gerichtssekretärs Carl Franz aus dem Jahr 1825 nachgedruckt.

Dieser Gerichtssekretär schildert in der blumigen Sprache des frühen 19. Jahrhunderts einen Raub, der aus Not geboren war. In der Kutsche, die sich am frühen Morgen des 19. Mai 1822 von Gießen aus auf den Weg in das damals „5 Stunden entfernte Landstädtchen Gladenbach“ machte.

Dort sollte der Postillon „herrschaftliche und Privatgelder, Briefe und Paquete“ abholen. Ausführlich beschreibt der Gerichtssekretär in seinem aus den Gerichtsakten zusammengefassten Bericht den Weg des „Geldkärrnchens“ von Gießen in das bergige und damals schwer zugängliche und unwegsame Hinterland.

Unfall in gefürchtetem Hohlweg

Bis „Kirchförs“ gab es eine gut zu befahrene Straße. Von dort aber „fängt der Weg an, sehr beschwerlich zu werden; über hohe, mit Bäumen und Gesträuch bewachsene Berge, durch schauerliche Hohlwege, deren Seitenwände bedeutende Felsmassen bilden, auf Wegen, die kaum eines Wagens Breite fassen, und an tiefen Abgründen hinführen, gelangt man, meistens im Walde, über Rollshausen nach dem Dorfe Mornshausen, das eine halbe Stunde von Gladenbach liegt“.

Diese Gegend hatten die sieben Räuber für ihren Hinterhalt ausgewählt. Doch vorher ging der „Postillon Müller, ein Bursche von zwanzig Jahren“, erst einmal „in ein gewöhnliches Wirtshaus und speiste fröhlich zu Mittag“. Danach wurde der Wagen beladen und machte sich, begleitet von einem Landschützen, auf den Weg in die Subach – einem Waldgebiet mit Bach. Der Überfall geschah an „einem der gefürchtetsten Hohlwege“.

Als „Unmenschen“ werden die Räuber in dem einseitig gefärbten Bericht bezeichnet. Kein Wort über die Not und das Elend weiter Teile der damaligen Landbevölkerung in Hessen. Aufgeklärt wurde der Raub, weil sich die Räuber plötzlich Dinge leisten konnten, die arme Wilddiebe und Tagelöhner nie hätten erwerben können. Und einer der Räuber, der arme Soldat Heinrich Geiz, hatte plötzlich sogar Geld, um 200 Gulden zu zahlen, die für eine Heiratsgenehmigung fällig waren. All dies wurde den damaligen Behörden zugetragen, die Schlinge zog sich zu.

Musical

Die Biedenkopferin Birgit Simmler hat aus dem historischen Stoff ihr zweites Musical gestrickt, das ein ähnlicher Publikumserfolg wie im vergangenen Jahr ihr Musical „Eingefädelt“ werden soll. Für die Musik und die Liedtexte zeichnet wieder der international tätige Komponist Paul Graham Brown verantwortlich. Zwölf Vorstellungen sind ausverkauft, Karten gibt es nur noch für zwei weitere Zusatzvorstellungen am 29. August und 5. September jeweils um 15 Uhr: www.schlossfestspiele-biedenkopf.de.

Wanderung

Interessierte können sich auch an den Originalschauplätzen auf die Spuren der Posträuber begeben. Der Naturpark Lahn-Dill-Bergland lädt in Kooperation mit den Schlossfestspielen Biedenkopf am 23. und 30. August sowie am 6. September (Sonntag) zu einer geführten Wildwald-Wanderung ein.

Der Natursoziologe Rainer Brähmer zeigt auf dem Hinweg der rund 7 Kilometer langen Wanderung ab Gladenbach-Mornshausen die „Su­bach-Hohle“ – einen Hohlweg, den das Geldkärrnchen auf dem Weg nach Gießen entlangfuhr. Der Rückweg folgt in etwa der Richtung, den ein Teil der Räuber mit der schweren Münzlast genommen hat. Unterwegs gibt es kurze Infos zum historischen Geschehen, den damaligen Lebensverhältnissen sowie den in dieser armen Zeit in Hessen aktiven Räuberbanden.

Teilnehmer sollten festes Schuhwerk und dem Wetter angepasste Kleidung tragen. Beginn der Wanderung ist jeweils um 14 Uhr in Gladenbach-Mornshausen, Ende gegen 17 Uhr am Ausflugslokal Kornhaus mit der Möglichkeit zur Einkehr. Die maximale Teilnehmerzahl sind 30 Personen; die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Einzelheiten und Anmeldung bei Markus Scheidt, E-Mail m.scheidt@lahn-dill-bergland.de .

  • „Der Postraub in der Subach“, Jonas-Verlag, 64 Seiten, 8 Euro.

von Uwe Badouin

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