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Auf dem Olymp der Kammermusik

Konzertverein Auf dem Olymp der Kammermusik

Bei seinem ersten Konzertverein-Gastspiel vor neun Jahren hatte das 1985 gegründete Quartett vor 600 Zuhörern musiziert. Diesmal kamen „nur“ 450 Besucher - obwohl ausschließlich Beethoven gespielt wurde.

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Daniel Stabrawa (von links), Christian Stadelmann, Neithard Resa und Dietmar Schwalke musizierten im Audimax.

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg. Das aus Musikern der Berliner Philharmoniker bestehende Philharmonia Quartett Berlin musizierte am Sonntag im Audimax einen repräsentativen Querschnitt aus Ludwig van Beethovens 16 Streichquartetten. Die fünf letzten gelten als Olymp der anspruchsvollsten Kammermusikgattung.

Mehr als ein Vierteljahrhundert liegen zwischen dem 1799 komponierten ersten und dem 1826 vollendeten letzten Quartett, das zugleich auch Beethovens letzte vollendete Komposition ist. Die jeweils im pastoralen F-Dur stehenden Werke aus der Früh- und Spätphase umgaben das an elfter Stelle stehende f-Moll-Quartett, von den vier Musikern stellvertretend für Beethovens mittlere Schaffensperiode ausgewählt.

Das Konzertverein-Publikum erlebte also komprimiert alle Facetten von Beethovens Streichquartett-Kunst: die konstruktive Auseinandersetzung mit dem großen Vorbild Joseph Haydn im Opus 18 Nr. 1, die sinfonische Intensivierung im Opus 95, das in seiner konzentrierten Knappheit bereits vorausweist auf das Opus 135. Allerdings fehlt diesem völlig der fatalistische Charakter des f-Moll-Quartetts, es ist vielmehr bestimmt von einer stillen, fast schon abstrakten Heiterkeit.

Dem Philharmonia Quartett Berlin ist Beethovens Streichquartett-Kunst in Fleisch und Blut übergegangen. Sie haben alle 16 Werke im Repertoire und diese vor zwölf Jahren sogar zyklisch aufgeführt - damals noch gemeinsam mit dem aus Marburg stammenden Cellisten Jan Diesselhorst. Seit seinem Tod 2009 musiziert Dietmar Schwalke gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern Daniel Stabrawa und Christian Stadelmann (Violinen) sowie Neithard Resa (Viola).

In Marburg waren die vier, die alle der Generation 50 plus, einer sogar 60 plus angehören, als eine Gemeinschaft zu erleben, die sich blind versteht. Resultat: ein Musizieren von größter Gelassenheit und wissender Abgeklärtheit, dabei fernab von jeglicher Routine.

So klang das Spiel des Philharmonia Quartetts Berlin tatsächlich, um mit Goethe zu sprechen, „wie ein Gespräch unter vier vernünftigen Leuten“, ohne dass vor lauter Vernunft die Seele ausgeblendet wurde. Im Gegenteil: In den ungemein ausdrucksvoll zelebrierten Gesangssätzen der beiden F-Dur-Quartette zum Beispiel schien für die Zuhörer die Zeit stillzustehen. Das gilt auch für die Zugabe, die Stadelmann dem begeistert applaudierenden Publikum so ankündigte: „Beethoven, Blumen, was kommt jetzt? - Brahms!“ Von Johannes Brahms erklang der langsame zweite Satz aus dem B-Dur-Streichquartett op. 67, ein Andante, das ebenfalls in F-Dur steht, der beherrschenden Tonart des Abends.

Der Marburger Konzertverein beendet seine Saison am Sonntag, 26. April, ab 20 Uhr im Audimax. Zu Gast ist dann die Philharmonie Königgrätz mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Peter Tschaikowsky und Antonin Dvorák.

von Michael Arndt

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