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Auf Wahrheitssuche beim gemütlichen Dia-Abend

Premiere von True Stories Auf Wahrheitssuche beim gemütlichen Dia-Abend

„Dias sind leider ein fast ausgestorbenes Medium“, stellte Steffi Tauber bei ihren Vorbereitungen fest. Am Mittwoch wurde der Dia-Abend bei der Premiere der „True Stories“ wiederbelebt.

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Schauen und staunen: Besucherinnen nehmen in einer Pause die Dias selbst in Augenschein und es gibt dabei viel zu entdecken.Foto: Mareike Bader .

Quelle: Mareike Bader

Marburg. In einem Foto-Fachgeschäft wollte Steffi Tauber eigene Fotos als Dias entwickeln lassen. Erst nach einer langen Diskussion merkte sie, dass ihr Gegenüber nicht wusste was ein Dia ist.

Mit ihrem Vortrag „Inga und Konrad“ eröffnete sie im ehemaligen Modegeschäft Kratz am Hirschberg die neue Reihe „True Stories“ der freien Marburger Theatergruppe german stage service. Steffi Tauber nutzte für ihre „wahre Geschichte“ ausschließlich fremde Bilder und spann darum herum die Lebensgeschichte von Inga und Konrad.

Unkommentiert wechselte sie zuerst ein Bild nach dem anderen. Beim zweiten Durchlauf erzählte sie ihre Geschichte dazu: Wo Inga aufwuchs, von ihrem Lieblingsurlaub in Paris bei ihrer Freundin Bille. Im dritten Durchlauf las sie aus Ingas Tagebuch, sang ihr inoffizielles Lieblingslied „Love Me Tender“ und zitierte ihr Lieblingsgedicht von Heinz Erhardt.

Als sich Tauber dann Konrad widmete, erahnte man schon dessen Geschichte und erkannte im Kopf so manche Parallelen. Trotzdem gab es Überraschungen, wie das Bild aus dem Lieblingsurlaub in Zoutelande, auf dem Ingas Schwester zu sehen war.

Die Bilder aus verschiedenen Ländern und Jahrzehnten verrieten schnell, dass sie nicht zusammengehörten. Trotzdem vergaß man sehr schnell, dass die Geschichten nicht wahr waren. Man lachte über den süßen Pudel, die hässlichen gestrickten Pullis und über die Menschen, die sich vor Autos zu einem Gruppenfoto zusammenfanden.

Das Projekt „True Stories“ des Off-Theaters „german stage service“ will die Wahrheit hinter konstruierten Geschichten hinterfragen, wie man sie früher oft bei Dia-Abenden erlebt hat oder sie heute bei Facebook und Co. erfährt. Im Gegensatz zu den digitalen Bildern von heute sind die Dias jedoch unveränderlich - also wahrer.

Der Abend zeigte aber auch, was die Menschen fotografieren. Es war verblüffend zu sehen, welche Motive an fremde Leute weiterverkauft werden, denn die meisten Bilder wurden im Internet ersteigert.

In „Luft und Liebe“ suchte „german stage service“-Regisseur Rolf Michenfelder nach seinem Freund Walter. Zwei Magazine mit Dias hatte Michenfelder zusammengestellt. Während er Walters Lebensgeschichte erzählte, zeigte er Fotos von Urlaubsorten, aber auch viele private Bilder von Familienfeiern, glücklichen Paaren, Kindern und sogar Pin-up-Aufnahmen.

Matti Fischers Vortrag „Mein ewiges Leben“ hatte am Mittwoch wahrscheinlich den höchsten Wahrheits-Gehalt. Seine Bilder vom Urlaub am Höytiänen-See waren private Urlaubsfotos. Er erzählte von den Wellen des Sees und von Steinen, die er in den See warf und dessen Wasser dadurch trotzdem nicht stieg. „Wir wussten, auf der anderen Seite holen sie die Steine wieder raus“, erzählte Fischer. Da hatten die etwa 30 Zuschauer auch schon längst vergessen, dass sie in einem leer stehenden Ladengeschäft saßen. Die zusammengewürfelten Sitzgelegenheiten, die kitschige Lampe und die Dekoration vermittelten eine heimelige Atmosphäre, ebenso wie die Schnittchen von Herrn Rosinski.

Das Team begibt sich am Samstag, 24. August, ab 19.45 Uhr letztmals auf die Suche nach der Wahrheit.

von Mareike Bader

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