Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Auf Mördersuche mit Wilhelm Grimm

Heike Wolff liest Auf Mördersuche mit Wilhelm Grimm

Um die Brüder Grimm und ihre Märchengestalten ranken sich unzählige Geschichten und Abhandlungen. Anfang der Woche ist ein neuer Roman der in Marburg lebenden Autorin Heike Wolf erschienen.

Voriger Artikel
Der gläserne Mensch in seiner Zelle
Nächster Artikel
Bands geben beim Mano-Auftakt alles

Heike Wolf möchte „gute, gut lesbare Unterhaltung schreiben, die jedoch auch Wissen vermittelt und Interesse an den historischen Hintergründen weckt“.

Quelle: Kristina Gerstenmeier

Marburg. Nur einen Tag war der historische Kriminalroman „Die Tote im Nebel“ auf dem Markt, als Heike Wolf bereits zur Premierelesung in den Historischen Rathaussaal einlud. Folgerichtig fand sie in Marburg statt, denn der Roman spielt nicht nur im Marburg des beginnenden 19. Jahrhunderts, sondern rankt sich auch um die eben zum Studium in die Stadt gekommenen, noch jungen Brüder Jacob und Wilhelm Grimm.

Eine mit ihren langen schwarzen Haaren, ihrer blassen Haut und ihren auffällig roten Lippen schneewittchengleiche Tote, ein böser Wolf, eine missgünstige Schwiegermutter, ein vergifteter Apfel und eine Hexe, die auf dem Frauenberg ihr Unwesen treiben soll sind die Motive, die den Roman durchsetzen, ohne das er dabei ins Fantastische abgeleitet.

Marburg im November 1803. Am Lahnufer wird eine junge Frau tot und schrecklich entstellt aufgefunden. Sie soll ertrunken sein, womit sich die Professorentochter Sophie Dierlinger, eine Freundin der Toten, nicht zufrieden gibt. Gemeinsam mit dem Studenten Wilhelm Grimm, für den sie schwärmt, geht sie der Sache nach. Während der Lesung gab die Autorin, die hauptberuflich Latein und Geschichte an der Martin-Luther-Schule unterrichtet, nicht nur Auszüge aus dem Roman, in dem Wilhelm Grimm ermittelt, zum Besten, sondern ließ die versammelten Zuhörer auch tief in ihre Arbeitsweise und in den Entstehungsprozess ihres ersten Krimis blicken. Die Autorin kann auf zahlreiche Publikationen zurückblicken. Bisher bewegte sie sich vornehmlich in der Fantasy-Ecke, schrieb Rollenspiele und fantastische Romane. 2010 erschien ihr erster historischer Roman, eine Fanmiliensaga zur Hansezeit. 1996 zum Studium nach Marburg gekommen, beschäftigte sich die nun Mitte 30-Jährige schon berufsmäßig mit der Geschichte der Stadt und dem 19. Jahrhundert. Diese Verbindung hatte sie zu ihrem jüngsten Werk inspiriert. „Zu dieser Zeit war in Marburg unheimlich viel los“, sagt sie. „Die Stadt hatte eigentlich einen sehr dörflichen Charakter, war aber von den vielen Geistesgrößen, die auf so engen Raum lebten, geprägt.“

Für ihren Roman hat sie eine Zwischenform zwischen historischer Exaktheit und Fiktion, bei der das historische Umfeld lediglich als Kulisse fungiert, gewählt. Die Tote, die „unweit des Dörfchens Wehrda“ gefunden wird, beschäftigt die Marburger Bürger dieser Zeit und zieht sie in ihren Bann. Friedrich Carl von Savigny, der Mediziner Baldinger, nach dem die Baldingerstraße auf den Lahnbergen benannt ist, der Dichter Clemens Brentano und natürlich die Brüder Jacob und Wilhelm, spielen eine Rolle. Aber auch fiktive Figuren spielen zentrale Rollen. Und die Brüder Wilhelm und Jacob erscheinen nicht als die „hochbegabten Streber, die ihr Leben ihrer Arbeit gewidmet haben“, sondern als sehr junge Studenten, die von ihren überlieferten charakterlichen Grundzügen geprägt sind.

von Kristina Gerstenmeier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr