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Asien entdeckt Marburger Künstler

Kultur-Expo in Peking Asien entdeckt Marburger Künstler

Seit Jahren wird Hans Schohl regelmäßig zu ­Ausstellungen nach Japan eingeladen. Jetzt haben Chinesen seine Kollegin Gerda Waha entdeckt. Beide sind Mitglieder der Künstlergemeinschaft Werkstatt Radenhausen.

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Die Marburger Künstlerin Gerda Waha (Fünfte von rechts) war als einzige europäische Künstlerin zu Gast bei der 11. China / Beijing International Cultur & Creative Industry Expo.

Quelle: privat

Marburg. „Ich war noch nie in meinem Leben in einer so hochoffiziellen, großen Veranstaltung involviert“, sagt Gerda Waha über die 11. China / Beijing International Cultur & Creative Industry Expo.

Es ist eine riesige Messe für Musiker, Designer, Kulturschaffende und natürlich für Künstler. Peking oder Beijing, wie die Chinesen ihre Hauptstadt nennen, ist mit knapp 12 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und mehr als 21 Millionen im Verwaltungsbezirk eine der größten und zugleich ältesten Städte der Welt.

Der Kontakt zwischen der chinesischen Kunstszene und Gerda Waha kam über Professorin Li Jia zustande, die an der Kunsthochschule Kassel lehrte und von der Vielseitigkeit von Gerda Wahas Werk so begeistert war, dass sie das chinesische Kulturministerium informierte. Von dort kam schließlich die Einladung zu der Kunst- und Kreativmesse. Gerda Waha war irritiert, musste von ihrem Mann erst überredet werden, die Einladung anzunehmen.

Drei Wochen war sie vom 26. Oktober bis 12. November in Peking, wurde während der Messe betreut wie ein Promi. Hotel, Flug, eine Limousine – alles stand für sie bereit. „Die Fahrt vom Hotel zum Ausstellungsgelände war etwa so weit wie von Marburg nach Frankfurt“, erinnert sie sich. Und überall Flaggen, die auf die Expo hinwiesen, mit der Peking eine Führungsrolle im Wettbewerb der Kulturstandorte anstrebt.

Gerda Waha ( Privatfoto, rechts) hatte Auftritte bei einem Symposium. Kurz nach ihrer Ankunft habe sie, die einzige europäische Künstlerin unter Asiaten und US-Amerikanern, erfahren, dass man von ihr eine Rede erwarte – auf englisch. Hinzu kamen Auftritte an der Universität, an der Professorin Li Jia ( links) inzwischen lehrt. Auch die wurden groß angekündigt.

Ihr Eindruck von Peking, wo eine ihrer Serien derzeit in einer Galerie präsentiert wird: „Ein riesige, sehr saubere Stadt mit zuvorkommenden, hilfsbereiten Menschen. Die Chinesen sind neugierig und sehr zielstrebig. Die Plakate an der Universität für meinen Vortrag haben Studierende innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt.“

Aufgefallen ist ihr, dass China die Kulturszene sehr stark fördert: „Ganze Fabrikanlagen werden für Ateliers von Künstlern und Designern hergerichtet.“ Während der ganzen Zeit habe sie sich immer auch wieder gefragt: „Was passiert hier gerade mit mir? Warum ich?“

Bekannt ist Gerda Waha, die am 3. Dezember ihren 75. Geburtstag feierte, in Marburg vor allem als Gründungsmitglied der Künstlergruppe Werkstatt Radenhausen. Ausstellungsmöglichkeiten gibt es in Marburg kaum, dafür aber viele Künstlerinnen und Künstler. Das ist ein Problem: Man nimmt die heimischen Künstler kaum wahr. Erst der Blick von außen – in diesem Fall von einer chinesischen Kunstprofessorin – öffnet auch wieder die Augen für die Qualität lokaler Marburger Künstler.

Dies gilt auch für Hans Schohl, der im kommenden Jahr wieder zu einer Ausstellung nach Japan eingeladen wurde: Zur Biennale in Ube. 277 Künstler aus 29 Nationen hatten sich für die Skulpturen-Ausstellung beworben. 18 Künstler wurden eingeladen, Schohl ist der einzige Nicht-­Japaner. Witzig ist: Wie Gerda Waha gehört auch Schohl zur Werkstatt Radenhausen.

Auch Gerda Waha hat schon eine Einladung für die nächste Kultur-Expo in Peking. Dann sei auch eine eigene große Ausstellung in Beijing geplant. „Ich hoffe, dass mir nichts dazwischen kommt.“

von Uwe Badouin

 
 
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