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Artur Molin verneigt sich vor Bowie

Landestheater: „The Return of Ziggy Stardust“ Artur Molin verneigt sich vor Bowie

Wie nähert man sich einer Musik-Ikone? Im Pailettenrock und in der Bühnenfigur eines Museums­pädagogen namens Dieter Bohlen. Experiment gelungen, David Bowie lebt.

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Artur Molin setzt der Pop-Ikone David Bowie mit „The Return of Ziggy Stardust“ ein kleines geniales Denkmal.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Der Typ ist einfach der Hammer.“ Eine Besucherin meinte nicht Bowie, das musikalische Genie, sondern Artur Molin, der Bowie ein kleines, geniales Denkmal setzt.

Der Marburger Schauspieler scheint einen Narren gefressen zu haben an den Großen der Musikgeschichte. Und verleibt sie sich sozusagen auf der Bühne ein. Letztes Jahr Freddie Mercury. Nun also Bowie.

„The Return of Ziggy Stardust“ heißt die gut einstündige Revue in der Reihe „Wilde Schwäne“ des Hessischen Landestheaters, die ins komplexe Universum des Ausnahmekünstlers entführt und das Premierenpublikum am Samstag buchstäblich vom Hocker riss.

Es begann mit Little Richard

Der nette Herr, den Artur Molin zu Beginn der Veranstaltung im biederen Anzug verkörpert und der jeden Gast freundlich begrüßt, stellt sich als Dieter Bohlen vor, seines Zeichens Museumspädagoge. Leider habe der gebuchte japanische Bowie-Imitator seinen Anschlussflug in Brüssel verpasst, jetzt springe das Museumspersonal ein – er bittet, dem Programm „wohlwollend zu folgen“, die Kollegen gäben sich die allergrößte Mühe.

Immer wieder schnappt sich Artur Molin zwischen den Songs Nickelbrille und Karteikärtchen. Museumspädagoge Bohlen funktioniert als wunderbare ironische Brechung. Auf der Bühne stehen Mikrofon und Instrumente, mehrere Kostüme als lebensgroße Pappkameraden und im Hintergrund gibt es drei Leinwände. Für die Video-Einspielungen – vom Kinderfoto über Interviews bis hin zu 
optischen Effekten – zeichnen Intendant Matthias Faltz und Ronald Strauß verantwortlich.

Zu Beginn erzählt eine Kinderstimme aus dem Off, wie alles begann. Mit Little Richard. „Als ich noch ein Kind war, so neun oder zehn“ – da hatte 
David Bowie (bürgerlich David Robert Jones) zum ersten Mal Rhythm ‘n‘ Blues gehört. Und er jobbte beim Fleischer für sein Saxofon, das ihn in die Band von Little Richard bringen sollte: Das war das Ziel im Leben 
des kleinen David. „Ich hatte Gott gehört“, glaubte er. Später sollte er selbst zu einer Ikone werden, Stile prägen, andere Musiker beeinflussen.

Grandiose Stimme bietet individuelle Interpretationen

Titelgebend für Molins Hommage ist Bowies Konzeptalbum „Ziggy Stardust“ aus dem Jahr 1972, in dem sich der Musiker als Außerirdischer in Gestalt eines promiskuitiven, drogenabhängigen Rockstars inszeniert, der der nahenden Apokalypse seine Botschaft von Liebe und Hoffnung entgegensetzt. David Bowie – selbst introvertiert und schüchtern – nutzte seine Maskeraden als Versteck. Die Exzesse und der Kokain-Konsum von Ziggy wurden aber zu seinen Exzessen, zu seinem Konsum, Ziggy wurde zur echten Person. „Ich musste ihn sterben lassen, um selbst zu überleben“, sollte Bowie später sagen.

Wovon „The Return of Ziggy Stardust“ im Besonderen lebt, das ist natürlich der Gesang von Artur Molin. Stimmlich haben Bowie und er nicht viel gemein, aber das ist völlig irrelevant; die Revue ist weder als „Look­alike“ noch als „Sound­alike“ angelegt. Die Interpretationen der zwölf Songs sind ganz individuell und dank der grandiosen Stimme Molins und der kongenialen Musiker (Olaf Roth am Keyboard, Sven Demandt am Schlagzeug und allen voran Michael Lohmann an der E-Gitarre) eine Klasse für sich. Lohmann war auch schon beim Tribut an Freddie Mercury an Molins Seite und hat die musikalische Leitung bei „The Return of Ziggy Stardust“.

Am Ende jubelte, klatschte und trampelte das Publikum bei der ausverkauften Premiere im Theater am Schwanhof. Nach der ersten Zugabe gab es in den Reihen stehende Ovationen und dann noch einmal „Heroes“ zu hören. „Zugaben“? „Nochmal von vorn“, wurde sogar gefordert. Und einige Gäste summten beim Verlassen des Theaters den Refrain weiter vor sich hin. Egal, ob Bowie-Fan oder nicht. Und wer zum Fan von Artur Molin geworden ist, der sollte sich die kommende Staffel von „The Voice of Germany“ vormerken. Da ist der Schauspieler nämlich in den Blind Auditions dabei ( die OP berichtete).

  • Die nächsten Termine von „The Return of Ziggy Stardust“: 12. Oktober sowie 20. und 22. November, jeweils um 19.30 Uhr.

von Nadja Schwarzwäller

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