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Artem Yasynskyy – ein variantenreicher Fingerakrobat

Marburger Schlosskonzerte Artem Yasynskyy – ein variantenreicher Fingerakrobat

Mit seinem fantastischen Klavierspiel begeisterte Artem Yasynskyy bei der Eröffnung der Marburger Schlosskonzerte im Fürstensaal.

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Der junge ukrainische Pianist Artem Yasynskyy spielte zum Auftakt der diesjährigen Marburger Schlosskonzerte im Fürstensaal.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es war eine Freude, dem jungen ukrainischen Pianisten Artem Yasynskyy zuzuhören und zuzusehen. Es war deutlich zu spüren, wie sehr der Pianist in der Musik aufging und auch die Atmosphäre im Fürstensaal genoss.

Yasynskyy war aber nicht nur von dessen Optik überwältigt, wie er im Gespräch mit der OP erzählte. „Es war interessant, da ich bei Bach und Brahms fast ohne Pedal spielen konnte“, erklärte der Pianist, der durch zahlreiche internationale Wettbewerbe und vielbeachtete Konzerte in renommierten Konzerthäusern auf sich aufmerksam gemacht hat.

Dabei beeindruckten gerade Brahms‘ Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 2 mit enorm dichtem Klang, der eindrucksvoll die Unterschiede zwischen der feinen Musik des Barocks und der energischen und leidenschaftlichen der Spätromantik aufzeigte.

Teppich sorgt für warmen Klang

Artem Yasynskyy versank während des Spiels immer mehr in die Klaviatur und setzte die verschiedenen Charaktere der Variationen hervorragend um. Durch seinen leicht wirkenden Anschlag schien es immer wieder, als ob seine Finger tanzten – besonders bei den charakteristischen Trillern des Händel-Themas.

Ein weiterer Grund für den warmen Klang war der Teppich, der unter den Flügel gelegt wurde sowie die zugezogenen Vorhänge. So kamen die vielen filigranen Verzierungen in den sechs Sonaten von Domenico Scarlatti wunderbar zur Geltung, die sich durch die klaren hohen Töne des Flügels hervorragend vom warmen Unterbau der linken Hand absetzten.

Wunderschöne Figuren standen im Mittelpunkt etwa in der sechsten Sonate, die vom ersten Ton an durch ihre Schnelligkeit bestach. Es schien, als ob Artem Yasynskyy seine beiden Hände miteinander tanzen ließ und schaffte bei den fließenden Abwärtsläufen einen nahtlosen Übergang von der rechten zur linken Hand.

Gefühlvolle Werke

Als Lieblingswerke bezeichnete Yasynskyy die beiden Werke von Benjamin Britten, „Holiday Diary“ op. 6 und von Jehan Alain, „L’oeuvre de piano“, Tome 3. Beide Kompositionen entstanden Mitte der 1930er-Jahre und sind geprägt von Gefühlen, die durch die Musik dargestellt werden. „Er hat ganz andere Harmonien, die sonst niemand hat“, begründete Artem Yasynskyy bei der Anmoderation seine Faszination für den französischen Komponisten.

Besonders zur Brittens Musik hatte Yasynskyy Vorstellungen, stellte sich etwa beim ersten Satz, „Early Morning Bathe“, die Gänsehaut nach dem Sprung ins kalte Wasser vor. „Es sind Gefühle, die Britten bei seinem Urlaub gesammelt hat“, so der ukrainische Pianist.

Tatsächlich erinnerte die raumfüllende und mit viel Pedaleinsatz gespielte Musik an Meereswellen, in deren starkem Klanggemisch einzelne Figuren dennoch klar erkennbar blieben. Die 80 Zuhörer waren begeistert und bedankten sich mit einem umjubelten Applaus für ein wunderschönes Konzert und wurden dafür mit gleich drei Zugaben belohnt.

  • Das nächste Konzert der Marburger Schlosskonzerte findet am 27. August mit dem Trio Pirveli im Fürstensaal statt.

von Mareike Bader

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