Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Applaus für die spanischste aller Opern

Oper Applaus für die spanischste aller Opern

Eine Opernaufführung im Fürstensaal? „Unmöglich, viel zu klein“ - sagen die Skeptiker. „Ideal. Genau richtig“ - erwidert Kerstin Weiß. Die Aufführung der Oper „La Vida Breve“ feierte am Mittwochabend Marburg-Premiere.

Marburg. Auf den ersten Blick scheint der Fürstensaal eigentlich zu klein für eine Opernaufführung. Doch das Team rund um die künstlerische Leiterin Kerstin Weiß hat mit „La Vida Breve“ des spanischen Komponisten Manuel de Falla ein geeignetes Stück für den schönen gotischen Raum gefunden und damit die erste szenische Aufführung einer Oper dort zu Stande gebracht.

Die Instrumentierung war mit zwei Gitarren, einem Akkordeon und Schlagwerk minimalistisch angesetzt, aber gleichzeitig vollkommen ausreichend um die passende Stimmung rund um den Liebeskampf des armen Zigeunermädchens Salud (Laura García Olalla) zu erzeugen. Sie hat sich in den reichen Paco (Carlos Petruzziello) verliebt, der ihre Liebe erwidert. Doch nach einer schönen Liebesnacht, in der Paco ihr seine unendliche Liebe schwört, heiratet er am nächsten Tag die ebenfalls reiche Carmela (Drìfa Hansen).

Als Salud zu der fröhlichen Hochzeit geht, um ihren Geliebten zu stellen, nimmt das tragische Schicksal seinen Lauf. Die kleine Bühne und die neun Darsteller zogen das Publikum schnell in ihren Bann. Für den Hochzeitstanz gab es besonderen Applaus, auch wenn die Choreographie nicht perfekt saß. Die kleineren Fehler machten die Szene einer Hochzeitsgesellschaft sehr authentisch. Aber nicht nur abseits der Bühne, hinter der sich die Musiker verbargen, wurde gespielt. Die Miteinbeziehung des „Hochzeitsportals“ war sehr raffiniert. So zog Salud mit Paco in ihrer Traumszene als Brautpaar durch das schöne Holztor aus - nach der Pause zog Paco an der Seite der echten Braut Carmela wieder ein.

Auch die Sänger trugen zur stimmigen Atmosphäre bei. Fast alle Sänger hätten einen spanischen Bezug, so Weiß. So waren die sozialen Unterschiede auch im Spanisch der Charaktere zu hören. Der kolumbianische Bass-Bariton Juan Carlos Mera-Euler und der Tenor Michael Brauer ergänzten sich wunderbar mit ihren kräftigen Stimmen - besonders am Anfang beim Arbeiterchor, nach dem viele Zuschauer ihre Hälse reckten. Viel Applaus ernteten aber die beiden ausdrucksstarken Hauptdarsteller. Besonders die „Arie der Salud“ zeigte die Mezzosopranistin viel Leidenschaft.

Manuel de Falla gewann noch als Student 1905 mit dem einaktigen Entwurf zu der Oper den ersten Preis der Akademie für Schöne Künste in Madrid. 1907 wanderte er nach Frankreich aus, wo 1913 in Nizza die Oper uraufgeführt wurde und ihm zum Durchbruch verhalf. Sie gilt als spanischste aller Opern.

Musikalisch verband de Falla hier die Kunstmusik, unter anderem vom Impressionismus geprägt, und die Musik seiner Heimat. Der Tanz bei der Hochzeit klingt sehr bunt, immer wieder schreien die Sänger „Olé“ und durchweg sind Kastagnetten zu hören. Immer wieder wechselt der Takt. Deutlich ist das im Klagelied der Abuela (spanisch für Großmutter), gespielt von Stephanie Eineder, zu hören. Hier überraschen schnellere Einschübe.

Die Musik deutet Anklänge von Jazz bis hin zu atonalen Einschüben an - aber nur flüchtig. Die Klänge sind damit Sinnbild für die durchlässigen sozialen Mauern, durch die sich Paco und Salud lieben lernen. Der Komponist De Falla male mit seinen Tönen Bilder, erläuterte Kerstin Weiß bei ihrer Einführung - und diese Klangbilder waren zu hören, zu spüren und auch zu sehen.Von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr