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Poetisches Theater im Lichtermeer

„Anu“ Poetisches Theater im Lichtermeer

Ein ebenso poetisches wie spektakuläres Theatererlebnis präsentiert die Berliner Gruppe „Anu“ mit dem Stück „Die große Reise“. Am Donnerstag war Premiere. Diesen Samstag ist das Stück zum letzten Mal im Schlosspark zu sehen.

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Eine Frau schwebt im Lichterlabyrinth auf einer Leiter (oben), ein Narr empfängt das Publikum.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ein flammendes ­Labyrinth aus gut 3000 Kerzen verleiht dem in Dunkelheit getauchten Schlosspark eine faszinierende Aura. Den öffentlichen Raum als Theater-Bühne nutzen, Stücke nicht nur zu inszenieren, sondern begehbar zu installieren – das ist die Kunst des Theaters „Anu“ unter der Leitung von Sybille und Stefan Behr.

„Der Irrgarten ist eine der ältesten Metaphern für die menschliche Lebensreise. Unser Labyrinth zeigt an verschiedenen Stationen Menschen, die auf dieser Reise stecken geblieben sind. Aber nicht auf dramatische, sondern poetische Weise“, erklärt Autor Stefan Behr die künstlerische Idee hinter den detailreich gestalteten Szenen innerhalb des Irrgartens.

So treffen die ersten knapp 70 Besucher am phantasievoll gestalteten Tor des Kerzen-Labyrinths auf einen Narren, der zur träumerischen Reise in die Dunkelheit einlädt. Nach wenigen Schritten im ­Labyrinth wird den Besuchern ein symbolträchtiger Koffer in die Hand gedrückt. Sie verteilen sich im spärlich beleuchteten Labyrinth und suchen nach dem richtigen Weg 
 zu den einzelnen Stationen.

Jede Station ist Bühne einer kleinen, poetischen Geschichte.­ Ein Prinz, der kein König sein will. Ein Wanderer, der sein Paradies sucht oder das Mädchen, das vom Fliegen träumt. Jede Figur hat ihre eigene tragische Geschichte. Jeder Halt zeugt auf seine Weise von der Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft, die eigentlich ­alle Möglichkeiten hat. So wie 
die Besucher im Labyrinth.

Modernes Boulevard-Theater

Nach und nach füllt sich der Irrgarten mit weiteren „Reisenden“. Eine immer unübersichtlichere Situation entsteht. Die Verirrung der Figuren überträgt sich auf das Publikum. Immer wieder schildern die Figuren ihre Geschichte ihrem mäandernden und ständig wechselnden Publikum. Im Zentrum des Labyrinths entsteht so der Eindruck eines Leierkasten-artigen Endlostraums, der mal sonderbar, mal witzig daherkommt.

„Wir wollen modernes Boulevard-Theater machen“, schildert Behr den massentauglichen Anspruch der Veranstaltung. Das gemischte Publikum an diesem Abend gibt ihm Recht. Der stimmungsvolle Ort tut sein Übriges dazu. „Der Schlosspark oberhalb der Stadt ist ideal für das Stück“, ist Behr begeistert von der ruhigen Atmosphäre, die den leisen Inszenierungen zugute kommt.

Um Mitternacht treten die letzten Besucher aus dem Traum-Labyrinth zurück in die Realität. „Skurril aber schön“, sagt eine Besucherin nach der etwa 80-minütigen Traumreise.

Im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers gastiert das Theater Anu mit dem Stück „Die große Reise“ diesen Samstagabend ein letztes Mal im Marburger Schlosspark. Einlasszeiten sind 21 Uhr, 21.30 Uhr und 22 Uhr. Das Stück ist auch für Kinder ab 10 Jahren geeignet.

von Jouka Röhm

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