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Anti-Europäer und ihre Gemeinsamkeiten

Lesung: Professor Claus Leggewie Anti-Europäer und ihre Gemeinsamkeiten

„Feinde? Wir?“ – mit dieser Sicht der Dinge, habe­ ­Europa lange Zeit recht naiv vor sich hin gelebt, glaubt Professor Claus Leggewie.

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Professor Claus Leggewie las aus seinem Buch „Anti-Europäer. Breivik, Dugin, al-Suri & Co.“

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Auf der Bühne des Hessischen Landestheaters las der Gießener Politikwissenschaftler aus seinem Buch „Anti-Europäer. Breivik, 
Dugin, al Suri & Co“. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Buchhandlung Roter Stern und dem Verein Kulturelle Aktion Marburg/Strömungen organisiert.

Inzwischen, so Leggewie, werde Europa aber gleich von drei feindlichen Strömungen attackiert. Dies seien der islamistische Dschihad, die russische Autokratie und der völkisch-autoritäre Nationalismus.

Vertreten werden diese Ideologien in seinem Buch durch den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik, den russischen Nationalisten Alexander Geljewitsch Dugin und den Islamisten Abu Khalid al-Suri, die Leggewie als Vordenker innerhalb der Weltanschauungen ausgemacht hat. „Ich wollte nicht die Machthaber porträtieren, sondern Leute, die andere intellektuell geprägt haben“, erklärte er den rund 40 Zuhörern im Landestheater.

„Würde man diese drei zusammen in eine Gefängniszelle stecken, würden sie sich erst mal hassen. Aber wahrscheinlich würden sie nach einer gewissen Zeit auch Gemeinsamkeiten finden“, trug Leggewie vor. So kämen „Raum“ und „Zivilisation“ bei allen als Kategorien politischen Denkens vor. Auch die Beurteilung von Gewalt sowie das Ziel der Etablierung autokratischer Herrschaftsformen seien ihnen gemein. Zudem seien sie allesamt Narzissten, bildeten sich dementsprechend ein, im Auftrag anderer zu handeln.

„Ich glaube, wir befinden uns in einem faschistoiden Zyklus“, so der Professor angesichts der jüngsten Wahlergebnisse und weltpolitischen Entwicklungen. Den neugewählten US-Präsidenten Donald Trump könne man im Prinzip „als vierten Protagonisten dazu nehmen“, sagte er. Dennoch „gehen Demokratien nicht an der Übermacht der Gegner zu Grunde, sondern an der Verzagtheit der Demokraten“, mahnte Leggewie. Man müsse auch im „postfaktischen Zeitalter“ mit Fakten argumentieren und demokratiefeindlichen Ideologien entgegentreten.

von Peter Gassner

 
 
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