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Ansteckende Leidenschaft

Konzertverein Ansteckende Leidenschaft

Mit ihrem sinfonischen Programm „Früchte des Sommers“ schwelgten die Duisburger Philharmoniker zusammen mit dem Marburger Publikum in spanischen Erinnerungen und wunderschönen Melodien.

Marburg. Der heimliche Star des Abends war Dirigent Giordano Bellincampi, der das Publikum des Marburger Konzertvereins mit ausladenden Gesten faszinierte. Mit hochrotem Kopf und einem breiten Lächeln verbeugte sich Bellincampi, seit der Spielzeit 2012/13 Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker, am Ende des stürmisch gefeierten Konzertes und bedankte sich immer wieder bei seinen 93 Musikern. Die bekamen auch seine Blumen.

Die Kommunikation zwischen Dirigent und Musikern war wirklich eine Augenweide am Sonntagabend im Audimax. Bellincampi verstand es mit seinen Gesten sein Orchester in die gewünschte Richtung zu führen und alles aus den Musikern herauszuholen. Bei der fabelhaft interpretierten Sinfonie Nr. 2 op. 73 von Johannes Brahms spornte er die Streicher mit großen, weiten Bewegungen an, als ob er selbst die Luft streicheln wollte oder forderte sie mit lockenden Handgeste zum Crescendo auf. Beim Seitenthema der Celli und Bratschen tanzte er sogar ein bisschen mit. Diese Leidenschaft übertrug sich auch auf das Orchester. Der Bratschist Chaim Steller spielte so engagiert, dass ihm einige Haare seines Streicherbogens rissen.

Leider fehlte dieses Zusammenspiel bei Prokofjews Klavierkonzert Nr. 1. Orchester und Pianist Homero Francesch spielten auf absolut hohem Niveau. Franceschs Fingerarbeit war schlicht beeindruckend und wurde Prokofjew wahrlich gerecht, der bei der Uraufführung 1912 den Solopart selbst gespielt und für seine Leistung 1914 die Anton Rubinstein Medaille vom Sankt Petersburger Konservatorium erhalten hatte. An manchen Stellen hatte man jedoch den Eindruck Orchester und Francesch spielten nebeneinander statt miteinander. Die Unterstützung des Klaviers durch das Xylophon scheiterte, da es sich mehr an den Streichern orientierte und so eher unangenehm wirkte.

Mit „Oisseaux triste“ aus den „Miroirs“ präsentierte Homero Francesch vor der Pause eine Zugabe. Damit erinnerte er an seinen letzten Auftritt beim Marburger Konzertverein, der jedoch schon 30 Jahre her ist und bei dem er Werke von Mozart, Chopin und Ravel spielte.

Die Zusammenarbeit sah zuvor bei Manuel de Fallas „Nächte in spanischen Gärten“ noch ganz anders aus. Ganz im Sinne de Fallas, der die Klavierparts eng mit dem Orchester verwoben komponiert hatte, fügte sich Francesch wunderbar ins Ensemble ein.

Wie in de Fallas Oper „La vida breve“, die letzten Sommer im Fürstensaal zu hören war, besticht auch die Suite durch viele Tempi- und Taktwechsel, die wunderbar umgesetzt wurden.

Ein besonderer Griff gelang Dirigent Bellincampi durch die Teilung der einzelnen Stimmen. So wirkten die Decrescendi noch eindrucksvoller und die hohen Celli gemischt mit den mittleren Bratschen und tiefen Geigen im ersten Satz noch interessanter und auffallender.

von Mareike Bader

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